Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)

Oberlieutenant Criste: Der Beitritt Oesterreichs zur Coalition im Jahre 1813

Der Beitritt Oesterreichs zur Coalition im Jahre 1813. 199 und Bewegungsfreiheit, friedliche Versuche um „gesunde und dauer­hafte Verhältnisse“ in Europa zu schaffen, d. h. Einschränkung der unnatürlichen, durch Gewalt herbeigeführten Uebermacht Frankreich’s oder Herbeiführung dieser Zustände durch Waffen­gewalt. Wer aber Napoleon kannte — und Metternich hat ihn so genau gekannt, wie Wenige sonst — der musste mit unerschütter­licher Bestimmtheit wissen, dass er sich nach der Niederlage in Russland niemals und um keinen Preis zum Frieden werde be­stimmen lassen; er musste vorerst diese Scharte auswetzen durch glänzende Siege, er musste mächtiger als je aus dieser Niederlage hervorgehen. „Die Mächte berechnen beim Beginn eines Krieges nie genug,“ hatte er einst zu Metternich gesagt, „dass ein Mann in meiner Lage keinen Frieden schliessen kann, wenn er geschlagen wurde und die Scharte nicht auswetzte.“ x) Und energischer noch wiederholte er dasselbe vor Beginn des Herbst-Feldzuges 1813. „Eure Herrscher, geboren auf dem Throne, können sich zwanzigmal schlagen lassen und doch immer wieder in ihre Residenzen zurück­kehren ; das kann ich nicht, der Sohn des Glücks. Meine Herrschaft überdauert den Tag nicht, an dem ich aufgehört habe, stark und folglich gefürchtet zu sein.“2) Hatte nun Metternich schon durch den Vertrag vom 14. März 1812 Oesterreich bedeutend gehoben und es aus einem Vasallen­staat zu einem mächtigen Bundesgenossen gemacht, der schonend behandelt werden musste, so erwies er sich jetzt als ein unüber­troffener Meister der diplomatischen Kunst. „Mitten in dem all­gemeinen Treiben und Drängen bewahrte er eine unerschütterliche Ruhe. Er gieng seinen festen, besonnenen Schritt, wo Alles um ihn her keuchend hetzte und jagte. Er blieb bei kühler Witterung, wo den Andern die Wangen vom Feuer der Erregung glühten. Die Art, wie er sich, immerfort festhaltend an der französischen Allianz, die Mittel zurecht legte, für alle Fälle bereit zu sein und wie er, während sein Kaiser eine ausgedehnte Recrutierung aus­schrieb und eifrig rüstete — weit über die Grenzen hinaus, die der Wiener Frieden und der Vertrag vom 14. März 1812 gezogen ') Ans Metternichs nachgelassenen Papieren. Heransgegeben vom Fürsten Richard Metternich-Winnebnrg. II. Th, pag. 431. 2) Ans Metternichs nachgelassenen Papieren. I. Th., pag. 151.

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