Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)
Oberlieutenant Criste: Der Beitritt Oesterreichs zur Coalition im Jahre 1813
20U Criste. haften —, Frankreich in die Lage setzte, Zusehen zu müssen ohne Einsprache zu thun, ist der höchsten Bewunderung werth.“1) Während Metternich die ersten vorbereitenden Schritte zu einem bevorstehenden, vorläufig blos diplomatischen Kampf that, vollzog sich in Russland das furchtbare Geschick der „grossen Armee.“ Von der halben Million Elitetruppen, die Napoleon dahin geführt, suchten einzelne Trümmerin erbarmungswürdigem Zustande die Grenze zu erreichen. Napoleon hatte in Russland nichts mehr zu suchen; sein Verweilen hei einer der zersprengten Abtheilungen hätte gar keinen Zweck gehabt; er musste nach Frankreich zurück, so schnell als möglich. Am 5. December, um 9 Uhr Abends, verhess er Smorghoni, begleitet vom Herzog von Vicenza, einem Dolmetsch, einem Bedienten und dem Mameluken Rustan. Am 10. traf er in Warschau ein; hier sprach er mit den polnischen Ministern, versicherte sie seines Schutzes und reiste weiter. Am 14. hatte er in Dresden eine Zusammenkunft mit dem Könige von Sachsen und sandte verschiedene Depeschen nach Wilna, Warschau, Wien und Berlin. An die Monarchen von Oesterreich und Preussen schrieb er Briefe, x) Helfert, a. a. 0. pag. 58. „Man hat ihn über-, aber noch häufiger unterschätzt,“ sagt ein anderer bedeutender Historiker und dieses Urtheil ist unserer Ansicht nach das treffendste von den vielen theils überschwenglich lobenden, theils hasserfüllt tadelnden, die dieser Staatsmann vor und nach seinem Tode hat über sich ergehen lassen müssen, „die Zeit, aus der er hervorgegangen und in der er wirkte, die Verhältnisse, in die er trat, die Eigenart des Herrschers, dem er diente, für die historische Auffassung seines Thuns und Lassens, nicht genug in Anschlag gebracht, — ihm zu viel und zu wenig zugemuthet und vor Allem die Phasen seines Berufslebens nicht sorgfältig genug auseinander gehalten; den Politiker und Diplomaten in den Tagen, da Oesterreich um seine Existenz rang, den Staatsmann der allgemeinen Reaetions- epoehe nach dem Freiheitskriege Europas und den Hüter der europäischen Stellung Oesterreichs seit der neuen Krise des Jahres 1830 über den gleichen Leisten der Beurtheilung geschlagen.“ (Krones, Zur Geschichte Oesterreichs im Zeitalter der französischen Kriege und der Restauration 1792 — 1816. Gotha. 1886. pag. 163.) a) Hier von einer „Desertion“ Napoleons zu sprechen, wie es unter Andern auch FM. Boyen in seinen „Erinnerungen“ (II. pag. 297) thut, ist ungerechtfertigt. Napoleon war nicht nur Commandant seiner Armee, sondern auch Monarch.