Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)

Oberlieutenant Criste: Der Beitritt Oesterreichs zur Coalition im Jahre 1813

196 Criste. der schönsten Heere, der grössten Coalitionen zu Schanden geworden und sich schliesslich, nach möglicherweise glücklicher Beendigung des Kampfes einen Frieden dictieren zu lassen, der gewiss den ersehnten glücklichen und dauerhaften Zustand in Europa nicht herbeigeführt haben würde: das wollte man nun in Oesterreich allerdings nicht. Um aber als Hauptmacht in den Kampf zu treten, war man nun einmal vorläufig nicht in der Lage. Um dies zu erreichen, musste Zeit gewonnen werden und dazu boten die von Metternich eingeleiteten Friedensunter­handlungen die beste Gelegenheit.') Schon Anfang November benützte Metternich den Umstand, dass Napoleon den General Lauriston in das russische Haupt­quartier gesandt hatte, um über einen Friedensschluss zu ver­handeln, als Friedens Vermittler bei den übrigen Mächten auf­zutreten und machte die ersten vorbereitenden Schritte bei England, ln diesem Sinne lauten auch die Weisungen, die der öster­reichische Botschaftsi ath in Paris, Floret, erhielt, nachdem in Wien die Kunde von der Räumung Moskau’s eingelangt war. Metternich erkannte, dass nun auch den Vorgängen in Schweden und Dänemark grössere Aufmerksamkeit als bisher zu­gewendet werden müsse und veranlasste daher die Besetzung der Gesandtschaftsposten in Kopenhagen und Stockholm. An den !) Im Staats-Archiv befindet sich eine Denkschrift, über welche Metternich am 3. Februar 1813 an den Kaiser schrieb, der ihm unbekannte Verfasser habe sich auf dem Wege der Regierung gefunden, ohne es in solcher Ausdehnung zu vermuthen; sie (die Denkschrift) enthält das, was bereits eingeleitet und theil- weise ausgeführt ist. Die betreffende Stelle der Denkschrift lautet: „Nun ist das siegreiche Russland für Oesterreich ebenso gefährlich, als es bis jetzt Frankreich war. Bleibt Oesterreich zwischen diesen beiden furchtbaren Mächten, ohne hin­längliche Mittel zum Widerstand allein stehen, so ist es in Gefahr, von einer oder der andern, etwa von beiden überwältigt zu werden und kann den sich nun darbietenden Augenblick nicht benützen als Mediateur und Friedensstifter aufzutreten. Wollte es aber auch diesem grossen und wichtigen Vortheil entsagen, so darf es sich doch nicht der Gefahr aussetzen, sich Allem unterwerfen zu müssen, was ihm Russland und Frankreich bei einem künftigen Ausgleich, wahr­scheinlich zu seinem grössten Nachtheile vorschreiben würden. Es ist nicht genug, an den ferneren Händeln dieser beiden Mächte oder an ihrem Ausgleiche keinen Antlieil nehmen zu wollen, man muss sorgen, nicht gezwungen werden zu können, an solchen einen Antlieil nehmen zu müssen.“

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