Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)
Oberlieutenant Criste: Der Beitritt Oesterreichs zur Coalition im Jahre 1813
Der Beitritt Oesterreichs zur Coalition im Jahre 1813. 197 dänischen Hof entsandte der österreichische Kanzler den Grafen Ltitzow, einen befähigten Diplomaten, der dem österreichischen Staate bald grossen Einfluss in Dänemark verschaffte. *) Aus Stockholm war Anfangs April 1812 der österreichische Gesandte, GM. Graf Neipperg, nach der Verkündigung des österreichisch-französischen Bündnisses abberufen worden, da seine Bemühungen, Schweden zum Beitritte zur französisch-österreichisch- preussischen Allianz zu bewegen, erfolglos geblieben waren und der schwedische Staatsrath die bewaffnete Neutralität Schweden’s beschlossen hatte (24. Februar 1812). Nun schien es aber rathsam, sich Schweden wieder zu nähern, welches in dieser Zeit unter den nördlichen Mächten eine hervorragende Stellung einnahm und einen bedeutenden Einfluss auf die Cabinete von St. Petersburg und St. James übte.**) Am 11. Februar 1813 traf Graf Neipperg wieder in Stockholm ein. Hier war man über die Ankunft des österreichischen Gesandten umso mehr erfreut, als zu dieser Zeit die preussische Regierung auf Verlangen Napoleons die diplomatische Verbindung mit Schweden, allerdings nur der Form nach, unterbrochen hatte. Der Kronprinz Carl Johann (Bernadotte) drückte in lebhaften Worten seine Freude aus über das in wohlwollendem Tone gehaltene Schreiben des Kaisers Franz I. und suchte dringend auf Oesterreich einzuwirken. „Er wiederholte mit Wärme,“ berichtete Neipperg nach Wien, „dass die drei verbündeten Mächte sich durch die feierlichsten Verträge verpflichtet hätten, die Waffen nicht niederzulegen, bevor jenes Gleichgewicht der Kräfte in Europa wiederhergestellt sei, welches das Glück einer Reihe von Menschenaltern gebildet hatte und insbesondere bevor, um zu diesem heilsamen Zwecke zu gelangen, Oesterreich seinen alten Einfluss in Deutschland und in Italien wiedererlangt habe. Berichten Sie dies wörtlich Ihrer Regierung, sagte er zu mir, dasselbe wird man Ihnen in London und in St. Petersburg sagen.“ Mit noch grösserem Nachdrucke wiederholte der Kronprinz dasselbe in seiner, zweiten Unterredung mit dem Grafen Neipperg *) Woynar, Oesterreichs Beziehungen zu Schweden und Dänemark . . . , in den Jahren 1813 und 1814. Archiv für österreichische Geschichte. 17. Band. Seite 380. **) Woynar, a. a. 0 Seite 411.