Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)

Oberlieutenant Criste: Der Beitritt Oesterreichs zur Coalition im Jahre 1813

Der Beitritt Oesterreichs zur Coalition im Jahre 1813. 195 Völker oft genug mit verschränkten Armen zusahen oder gar als Mitkämpfer gegen Oesterreich in den Reihen Napoleons standen, hatte dieses Reich über eine Million seiner besten Söhne geopfert, ein Dritttheil seiner schönsten Provinzen waren ihm entrissen worden und der Monarch hatte die Ruhe, deren sein zu Tode er­schöpftes Reich bedurfte, erkauft, indem er sein Kind dem Ueber- mächtigen und Gehassten vermählte. Der österreichische Staatskanzler, Graf Clemens Metternich, dem dieses verantwortungsreiche Amt zur schwierigsten Zeit, im Jahre 1809, übertragen worden, war sich nun ganz gewiss ebenso klar bewusst, wie die vielen berufenen und unberufenen Freunde, die athemlos und erhitzt zum Kriege drängten, dass jetzt der Augenblick gekommen sei, den unerträglichen Verhältnissen in Europa ein Ende zu machen; er war sich aber auch vollkommen klar darüber, dass nun Gelegenheit geboten sei, Oesterreich wieder die ihm gebührende unabhängige und machtvolle Stellung zu verschaffen, die es durch ein Zusammentreffen unglücklicher Ereignisse, durch die Schwäche oder die Treulosigkeit von Ver­bündeten verloren hatte; er wusste, dass der Staat, dessen Leitung ihm anvertraut worden, in den vier kurzen Friedensjahren noch nicht erstarkt genug war, um jetzt allein in die Geschicke Europas eingreifen zu können, dass aber diejenige Partei, an deren Seite dieses Reich trat, die überwiegende und entscheidende werden würde; dass es aber auch sehr stark auf den Kampfplatz treten müsse, um allen Eventualitäten eines Krieges die Stirne bieten und den abermals zur Befreiung Europas unternommenen Feldzug, möglicherweise auch allein, wenigstens zu Ende führen zu können. Niemand konnte dafür gutstehen, dass nach der ersten verlorenen Schlacht — und bei einem Kriege mit Napoleon musste man vielleicht doch auch damit rechnen — nicht einer oder der andere der Verbündeten es vorzog, sich aus der Schlinge zu ziehen, wozu ja, wie der Frühjalirs-Feldzug von 1813 bewiesen, thatsächlich Russland bereits grosse Lust zeigte. Als Hilfsmacht zweiten Ranges, mit einer über Hals und Kopf zusammengerafften Armee, im Gefolge des Kaisers Alexander, der Proben genug geliefert, wie gerne er die Herrschaft über Europa mit Napoleon getheilt hätte, einen Krieg gegen einen Feldherrn zu unternehmen, vor dessen Genie bis dahin die Tapferkeit und Opferfreudigkeit 13*

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