Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)
Beitrag zur Geschichte des Krieges in Ungarn 1848/49
Beitrag zur Geschichte des Krieges in Ungarn 1848/49. 173 oder zurückdrängen, Komorn ganz leicht entsetzen und auf beide Festungen gestützt, eine neue Basis schaffen, dann, weit im Rücken der kaiserlichen Armee stehend, nicht nur deren einzige Verbindung unterbrechen, sondern unter Umständen sich auch gegen Wien wenden, lauter Unternehmungen, bei denen im Gegensatz zu jenen, welche man von der kaiserlichen Armee verlangte, viel geringere Schwierigkeiten zu überwinden waren. Die Möglichkeit allein, Görgey auf dem Wege nach Wien sich zu denken, rieth von einer unausgesetzten Verfolgung Perczel’s ab, da die politischen Folgen einer solchen Eventualität von einer ganz enormen und unberechenbaren Tragweite werden konnten. 5. Es ist sehr begreiflich und in der Natur der Sache gelegen, von einer bisher im Vortheile gewesenen Armee zu verlangen, sie solle dem weichenden Feind mit aller Energie folgen und seine Zertrümmerung erstreben. Wäre die feindliche Armee vereint geblieben, so hätte der kaiserliche Feldherr dieselbe auch erreicht und ihr Schicksal wäre nicht zweifelhaft gewesen. So aber war dieselbe, mit Ausnahme zweier ihr ungünstiger Theilgefechte bei Bábolna und Moor, noch gar nicht geschlagen und hatte sich in einer für das Fortbestehen der Insurrection sehr vortheilliaften Weise getheilt. Der Armee - Commandant konnte sich am allerwenigsten verhehlen, wie vortheilhaft es sein müsste, ein grösseres Gebiet des Landes und namentlich den Raum jenseits der Theiss durch kaiserliche Truppen zu occupieren. Allein es mangelte ihm erstlich zu einer solchen Unternehmung die Hauptbedingung, d. i. die nöthige Kraft und zweitens konnte er unter gar keinen Umständen zugeben, dass das Görgey’sche Corps, das notorisch als das Rückgrat der Insurrection anzusehen war, sich nach Nordwesten wenden dürfe, ohne von einem ausreichenden Theile der kaiserlichen Armee verfolgt zu werden. Um also der thatsächlichen strategischen Situation gerecht zu werden, musste sich der Armee-Coinmandant bis zur Durchführung der gegen Görgey eingeleiteten Operation auf die Festhaltung der Donau-Linie beschränken und eventuellen Vorstössen des Feindes zwischen Theiss und Donau in diesem Raume entgegentreten, wie dies auch bei dem Theiss-Uebergange Perczel’s am 22. Januar in energischester Weise dadurch geschah, dass