Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)
Beitrag zur Geschichte des Krieges in Ungarn 1848/49
174 Beitrag zur Geschichte des Krieges in Ungarn 1848/49. der Armee-Commandant alle verfügbaren Truppen, im Ganzen 10 Bataillone, 24 Escadronen und 72 Geschütze, theils mittelst Eisenbahn, theils in Fussmärschen diesem Insurgentenführer nach Cegléd entgegenwarf und ihn dadurch veranlasste, ohne einen Angriff zu wagen, wieder über die Theiss zurückzugehen. Mit klarer Voraussicht erkannte der Armee-Commandant die Absichten des Feindes und war sich vollständig der entscheidenden Wichtigkeit bewusst, welche die Vernichtung Görgey’s zwischen dem ihm nachgesendeten II. Corps und den Generalen Simunich, Götz und Schlick für die baldige Beendigung des Feldzuges haben musste. Er übersah nicht, dass in dem Corps Görgey’s die übergetretenen kaiserlichen Regimenter standen, dass diese den Kern der feindlichen Armee bildeten und nach der glücklichen Vereinigung mit Klapka auch wirklich gebildet haben. Darum sandte er auch am 19. Januar FML. Schulzig mit 4 Bataillonen, 8 Escadronen und 18 Geschützen dem Sehlick’schen Corps als Verstärkung zu und daraus erklärt es sich, wieso bei der Vorrückung Perczel’s am 22. Januar diesem nur die eben angeführten schwachen Kräfte hei Cegléd entgegengestellt werden konnten. Die Etablierung einer Basis für das Insurrectionsheer an der oberen oder unteren Theiss, die Bildung neuer Truppen, die Organisierung und Weiterverbreitung des Aufstandes etc. konnte Fürst Windisch-Graetz auch nicht hindern, selbst wenn er in Debreczin gestanden wäre, denn die Erhebung war eben eine allgemeine, das ganze Land umfassende geworden und unterschied sich wesentlich von Aufstandsversuchen an einzelnen Orten, die leichter zu unterdrücken und mit dem Festhalten der Städte auch für die Folge leichter zu verhindern sind. So lange die ungarischen Streitkräfte nur aus Theilen bestanden, so lange konnte der Armee-Commandant eine Bewältigung derselben von seinen detachierten Corps erwarten. Mit dem 10. Februar jedoch, mit der Besetzung Kaschau’s durch Görgey, die nothwendiger Weise den Rückzug Schlick’s gegen Westen zur Folge hatte und die Verbindung des Görgey’schen Corps mit den inzwischen mit äusserster Energie von Kossuth hinter der Theiss neu aufgestellten Truppen ermöglichte, trat eine Wendung auf