Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)

Beitrag zur Geschichte des Krieges in Ungarn 1848/49

Beitrag zur Geschichte des Krieges in Ungarn ISf 8/49. 171 und im Rücken des inzwischen unerwartet gegen Tokaj vor­gegangenen FML. Schlick die Stadt Kaschau am 10. Februar zu besetzen. Dass derlei combinierte Bewegungen, wenn sie in weiten Räumen mit verhältnismässig geringen Kräften ausgeführt werden müssen, der ungünstigen Chancen mancherlei in sich tragen, stand jedem erfahrenen Militär, folglich auch dem kaiserlichen Feldherrn deutlich vor Augen. Immerhin konnte, wie die Dinge lagen, Anderes nicht verfügt und muss anerkannt werden, dass Görgey in diesem Theile seiner kriegerischen Leistung ebensoviel Glück, als Geschick in der Leitung und namentlich in der Beherrschung seiner, durch den beständigen Rückzug gewiss erschütterten Truppen erwiesen. Hätte nach der Einnahme von Buda-Pest und entsprechender Sicherung dieser Hauptstadt sich die kaiserliche Armee zur Ver­folgung Perczel’s, der hinter die Theiss zurückwich und den neuen Regierungssitz Debreczin zu decken bestimmt war, in Bewegung setzen und auf Görgey nur wenig Rücksicht nehmen sollen? Versprach diese von so vielen Seiten dem Armee-Comman- danten zugemuthete, von dem Feldmarschall jedoch unterlassene Operation auch die entscheidenden Erfolge, die man von ihr erwartete und von der man selbst die gänzliche Bezwingung der Revolution erhoffte ? In Folgendem mögen die vielfachen Gründe dargelegt werden, welche den FM. Fürsten Windisch-Graetz abhielten, sich für diese Operation zu entscheiden. 1. Gesetzt den Fall, das I. Corps Jellacic und die Cavallerie- Division Liechtenstein, 15 Bataillone, 45 Escadronen, 72 Geschütze, welche hiefür zur Verwendung kommen konnten, würden Debreczin erreicht und diesen Punct einer noch nicht etablierten Operations- Basis mit einer handvoll Soldaten besetzt haben. Was würde damit gewonnen gewesen sein? Die Operations-Linie des kaiserlichen Heeres hätte sich dadurch in einem insurgierten Lande um 30 Meilen verlängert, wobei die Theiss mit ihrem unwegsamen und hervorragend ungünstigen Gelände dieselbe noch auf dem halben Wege durchschnitt. Am Uebergangspuncte bei Szolnok, wenn

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