Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)
Beitrag zur Geschichte des Krieges in Ungarn 1848/49
170 Beitrag zur Geschichte des Krieges in Ungarn 1848/49. immer aber bereit sein, offensiven Unternehmungen westwärts der mittleren Theiss energisch entgegenzutreten. Die ausschliessliche Operation gegen Görgey war aus dem einfachen Grunde unthunlich, weil die einzige, ohnehin durch Freischaaren stets bedrohte Nachschubslinie der Armee hätte preisgegeben werden und die Armee ohne Basierung operieren müssen. Sie war auch durch die Umstände nicht geboten, weil die drei Brigaden des II. Corps,*) dann die Truppen des FML. Simunich, des GM. Götz und das Schlick’sche Corps gegenüber den circa 15—18000 Mann Görgey’s, welche unmittelbar nach der Räumung Buda-Pest’s nicht in der besten moralischen Verfassung sich befanden, ausreichend waren, um Görgey’s Corps selbst einer Vernichtung zuzuführen. Die Verfolgung Görgey’s wurde zu einer combinierten Operation, die sich durch die momentane strategische Situation der nach Ungarn eingerückten Armeetheile, wie durch den excentrischen Rückzug Görgey’s naturgemäss ergab. Dieser, in eine gewissermassen selbstgelegte Schlinge gerathend, entzog sich jedoch den bösen Folgen seiner ungünstigen Lage fast unversehrt, denn die Zersprengung seiner Nachhuten, wie der Verlust eines Theiles seiner Artillerie bei Windschacht und Schemnitz am 21. und 22. Januar durch die Truppen Csorich’s brachten ihm doch nur wenig Schaden. Mit dem Gros seiner Truppen wusste sich Görgey, begünstigt durch die Schwierigkeit der Communicationen in diesem Landes- theil, welche für die doch auch vielfach von der Bevölkerung unterstützten Insurrections-Truppen leichter zu überwinden war, begünstigt ferner durch die verspätet einlangenden Anordnungen bei den detachierten kaiserlichen Truppen-Corps und die natur- gemässe Schwierigkeit des Einklanges bei den ihn verfolgenden Colonnen, den bedrohlichen Einwirkungen derselben zu entziehen *) In der „Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns“ IY. 380 werden nur zwei Brigaden erwähnt. Das II. Corps hatte 4 Brigaden, von denen die Brigade Lederer vor Komorn am rechten Donau-Ufer, zuriickgelassen worden war. Auch die auf derselben Seite angeführte Bemerkung, FML. Wrbna sei von Waitzen am 8. Januar wieder nach Pest zurückberufen worden, bedarf insoferne der Richtigstellung, als diese Kückberufung nur seiner Person galt, da er zum Militär-Gouverneur in Aussicht genommen war.