Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)

FML. Freiherrn von Sacken: Das österreichische Corps Schwarzenberg-Legeditsch. Beitrag zur Geschichte der politischen Wirren in Deutschland Ende 1849-1851

Das österreichische Corps Schwarzenberg-Legeditsch. 155 Lebensjahre! dies war sozusagen das Normalalter der dem Genera 1 - Quartiermeister-Stabe zugetbeilten Officiere und standen auch die Kameraden Joseph von Rodakowski, Georg Stubenrauch etc. so ziemlich in gleichem Alter; der Generalstabs-Hauptmann Eduard Ritter Bartels v. Bartberg zählte 24, der Generalstabs-Major und Sous-Chef des Corps Emil von Meisrimmel 31 Jahre. Es sind schöne herrliche Erinnerungen, die sich an diese Zeit knüpfen: der militärische Geist, der im Corps Legeditsch herrschte, glich jenen geradezu idealen soldatischen Zuständen, wie sie in der Armee Radetzky’s bestanden. Die Kameradschaft, das ganze Denken und Fühlen entsprachen jener Schilderung militärischen Wesens, wie es uns der unsterbliche Schiller bietet „der feine Geist, der rechte Ton;“ „wer es nicht edel und nobel treibt..“ etc. Dazu die wechselnden Eindrücke auf dem Marsche durch Deutschland, beim Aufenthalte in so vieler Herren Länder; es fehlte nur eines: ab und zu der Kampf. Bot auch der Aufenthalt in Tyrol und Vorarlberg, durch den Umstand, dass so häufig die Gelegen­heit zu Thaten winkte und diese immer wieder in den Sand verlief, wiederholte Enttäuschung, so ist das Land und seine Bewohner so voll des Interessanten, dass sie Jedem, insbesondere aber dem Militär, Gelegenheit boten, seine Kenntnisse über die Eigenheiten des Hochgebirges und die Charaktereigenschaften der Gebirgsbewohner zu erweitern. Aeusserst wohl, ja behaglich fühlte sich der Soldat des Corps im stamm- und sittenverwandten Bayernlande. Aber schon trat manche neue Erscheinung, manch’ veränderter Zug entgegen. Ueberall auf das allerfreundlichste aufgenommen, entwickelte sich alsbald ein ungemein vertraulicher Verkehr mit den Landes­bewohnern, noch mehr selbstverständlich beim Zusammentreffen mit Kameraden der bayerischen Armee. Im Masse des Vorrückens der österreichischen Truppen gegen den Norden machte sich die Verschiedenheit der Charaktere, der Lebensweise und der Sprache geltend. Ueberall war es die hohe Bildung, das gesittete Wesen, das unendlich wohlthätig wirkte. In Mittel-Deutschland war das Entgegenkommen noch ein durchaus freundliches, ja man gab uns zu Ehren Ballfeste und andere Vergnügungen, so z. B. in Kissingen, in Alsfeld.

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