Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)
FML. Freiherrn von Sacken: Das österreichische Corps Schwarzenberg-Legeditsch. Beitrag zur Geschichte der politischen Wirren in Deutschland Ende 1849-1851
156 Sacken. Mit dem Eintritte in hannoversches Gebiet war der Empfang ein kühlerer, gemessener, mitunter fast feindlicher. Das norddeutsche Wesen war uns auffällig und wirkte abkühlend. Aber bald wandten sich die Herzen zum Bessern und es genügten oft wenige Stunden Beisammenseins, um das Eis zu brechen und einen freundschaftlichen Verkehr herzustellen. Einen ungemein günstigen Einfluss auf die Stimmung der Bevölkerung nahmen, sozusagen als Sorgenbrecher wirkend, die trefflichen Militär-Musik-Banden. So z. B. hielt sich die Bevölkerung beim Einmärsche der österreichischen Truppen in Hildesheim demonstrativ ferne; die Strassen waren leer, die Fenster geschlossen. Da erklangen die Töne eines munteren Marsches der Militär-Musik und alsbald zeigten sich reichlich Frauenköpfe an meist rasch geöffneten Fenstern und auch die Strassen füllten sich allmählich. Am nächsten Morgen, beim Abmarsche strömte die Bevölkerung der Colonne in hellen Haufen nach. Zu manchen, oft sich recht heiter gestaltenden Missverständnissen führten die im Norden unverständlichen Austriacismen; so konnte man sich den Begriff eines „Halben- oder Viertel-Vorspannwagens“, eines „krummen“ (lahmen) Pferdes durchaus nicht vergegenwärtigen. Ein heiteres Intermezzo gewährte es auch, als von einem österreichischen Officier bei der table d’hote der damals übliche Scherz, eine schlechte Cigarre eine „miserabile stincadores“ zu nennen, angewendet wurde und ein recht gelehrt aussehender Herr sich an den ihm zur Seite sitzenden österreichischen Officier mit der Frage wandte: „Dienen in Ihrer polyglotten Armee auch Spanier? Ach ja, wahrscheinlich von Familien stammend, die zur Zeit Leopold I. und Carl VI. nach Oesterreich kamen!“ Uebrigens fand der österreichische Dialect in Nord-Deutschland allenthalben Beifall und man meinte, er klinge „so gemüthlich.“ In Hamburg war es in manchen Kreisen zum Sport geworden, österreichische Ausdrucksweise anzuwenden. Ueberhaupt befand man sich in Hamburg ganz besonders wohl. Die weltbekannte Gastlichkeit des wohlhabenden oder reichen hamburger Bürgers bewährte sich aufs Glänzendste. Die Herren Senatoren und Handelsherren überboten sich in Einladungen der Offieiere zu Gastmahlen, Bällen und Festlichkeiten und thaten sich namentlich in den culinarischen Genüssen hervor. Die vortrefflichen Hotels,