Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)
FML. Freiherrn von Sacken: Das österreichische Corps Schwarzenberg-Legeditsch. Beitrag zur Geschichte der politischen Wirren in Deutschland Ende 1849-1851
100 Sacken. Der Elbe-Uebergang. In diesen Tagen entschied sich auch die Frage bezüglich der Art des Elbe-Ueberganges. Die Idee, den Strom hei Wittenberge zu überschreiten, wurde sogleich auf die erste Vorstellung von Seite des Corps-Commandos aufgegeben und nun handelte es sich darum, das Ueberschreiten desselben mitten im Winter, wo die Eisverhältnisse sich meist derart gestalten, dass der Kriegs- briickenschlag, noch mehr aber das Ueberführen von grossen Truppenmassen auf grosse Schwierigkeiten, ja mitunter auf absolute Hindernisse stösst, zu bewirken. Erfreulicher Weise war in diesem Jahre der Winter verhältnismässig milde; noch war kein sehr strenger Frost eingetreten. Es wurde nun beschlossen, die Herstellung einer Kriegsbrücke zu versuchen, wozu aber bei der Breite des Stromes, so nahe seiner Mündung, das von dem Corps Legeditsch mitgeführte Kriegsbrücken-Materiale unmöglich hinreichen konnte. Man verfiel daher auf die Idee, das königlich preussisehe Kriegsbrücken- Materiale zu diesem Zwecke in Anspruch zu nehmen. Es ist diese Angelegenheit Gegenstand von diplomatischen Verhandlungen zwischen dem Fürsten Felix Schwarzenberg, dem kaiserlichen Gesandten FML. Baron Prokesch in Berlin und der preussischen, sowie der meklenburgischen Regierung geworden. FML. von Legeditsch erhielt diesfalls eine Note des FML. Baron Prokesch vom 6. Januar 1851: „Euer Excellenz werden schon aus directen Mittheilungen aus Dresden und auch durch GM. Freiherrn von Langenau Kenntniss davon erhalten haben, dass die beiden Regierungen von Oesterreich und Preussen über den Punct Boytzenburg als Ueber- gangspunct über die Elbe sich verständigt haben. Die schwerinische Regierung hat ihre Zustimmung gegeben, hält aber Lauenburg aus örtlichen Gründen, namentlich wegen des schlechten Weges von Lüneburg bis Boytzenburg, für besser. Preussischer Seits ist heute an die beiden Pontons-Trains der Garde und des 4. Armee-Corps, sowie auch an den Pontons- Train Nr. 3 des für Holstein bestimmten Corps des GM. von Wussow der Befehl ergangen, sich mit den zugehörigen Pionnier- Compagnien, im Ganzen 1000 bis 1100 Mann mit 800 Pferden nach Boytzenburg- zu begeben. Auch ist der Major von Burchardt,