Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Neue Folge, 1893)
Major Hausenblas: Oesterreich im Kriege gegen die französische Revolution 1792 (Fortsetzung im VIII. Bande)
Commandant hatte das Vertrauen der neuen Regierung verloren, seine Position wurde täglich unhaltbarer und endlich erfolgte seine Enthebung. Gleichwie aber die Gefangennahme des Königs zu einem Wendepuncte in der politischen Geschichte Frankreichs wurde, so hatte mit dem darauf erfolgten Ausscheiden der letzten königlich gesinnten Elemente der Schwächezustand der Armee seinen Höhe- punct erreicht. Der volle Sieg der Revolutions-Partei musste insofern auch auf das Heer kräftigend einwirken, als eben statt des bisherigen noch scheinbar eidgetreuen Heeres ein revolutionäres entstand und in der Einheitlichkeit der Gesinnung vereint mit der allenthalben mächtig zu Tage tretenden Energie und Thatkraft neue Garantien geboten wurden, der Invasion kräftiger als bisher entgegentreten zu können. Der Wechsel, welcher sich in der zweiten Hälfte August in den Armee-Commanden vollzog, brachte zwei Männer an die Spitze des Heeres, welche sich, wenigstens äusserlich, der neuen Ordnung der Dinge vollkommen angeschlossen hatten. Der eine von ihnen, General Dumouriez war nicht nur ein geschickter Soldat, der es verstand, das Vertrauen seiner Soldaten zu gewinnen, sondern auch ein gewandter Politiker-, welcher die Situation alsbald erfasst hatte. Vielleicht weniger der eigenen Ueberzeugung, als dem Bestreben folgend, aus der momentanen politischen Strömung den grösstmöglichsten Vortheil für sich zu ziehen, gelang es Dumouriez meisterhaft, die Rolle des „ersten Generals der Revolution“ zu spielen. Der Revolution nicht minder ergeben war Kellermann und da sich in der Person des Kriegsministers Servan den beiden neuen Armee-Commandanten ein Gesinnungsgenosse anschloss, so war nun mit umsomehr Berechtigung eine einheitlichere Leitung der Operationen zu erwarten. Als Dumouriez wenige Tage nach den Ereignissen des 10. August zum Commandanten der gesummten Streitkräfte zwischen Dünkirchen und Montmédy ernannt wurde, stand das Gros der Kord-Armee in den Lagern von Maulde, Maubeuge, Pont-sur- Sambre, während die ehemalige Ardennen - Armee um Sedan gruppiert, die Centrum-Armee aber im Begriffe war, auf Metz zurückzugehen. Die Preussen und das Corps Clerfayt traten eben