Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Neue Folge, 1893)
Major Hausenblas: Oesterreich im Kriege gegen die französische Revolution 1792 (Fortsetzung im VIII. Bande)
■ ■ !) Clmquet H, 27. Nach Actenstiicken des französischen Kriegs-Archivs. den Vormarsch gegen Longwy an, die anderen Corps der Verbündeten standen noch weit rückwärts. Die Entfernung von Sedan bis Metz beträgt 120 hm und konnte einer raschen Vereinigung der beiden französischen Armeen gewiss nicht förderlich sein, doch hätte dieselbe etwa in der Gegend von Verdun immerhin rechtzeitig bewirkt werden können, da die Preussen noch etwa 90 km von der Maas entfernt waren und zudem mit dem Zeitverluste vor Longwy rechnen mussten. Jede Verzögerung des Vormarsches der Alliierten musste aber umsomehr zu Gunsten der Franzosen in die Wagschale fallen, als sie diesen die Möglichkeit hot, auch die an der Nordgrenze entbehrlichen Truppen und sonstige Verstärkungen heranzuziehen. Zu alledem wäre allerdings eine energische centrale Leitung nothwendig gewesen und an einer solchen fehlte es trotz dem Commandowechsel noch immer. Wohl lag dieselbe nach dem Sturze des Königthums ausschliesslich in den Händen des Kriegsministers; doch entbehrte Servan zu sehr der Autorität, um seine Ansicht den rangsälteren Armee-Commandanten, namentlich Dumouriez gegenüber, zur Geltung zu bringen. Gerade in dem Momente, wo es sich darum gehandelt hätte, die grösste Thätigkeit zu entfalten, entstanden Meinungs-Verschiedenheiten bezüglich der wirksamsten Weise, die Invasion zu bekämpfen und durch diese Controversen giengen kostbare Tage verloren. Wenn die Franzosen den Erfolg später doch noch an ihre Fahnen zu fesseln wussten, so hatten sie dies den Fehlern der Verbündeten, keineswegs der zielbewussten eigenen Führung zuzuschreiben. Zunächst waren die Ansichten über die Verwendung der französischen Armeen getheilt. Dumouriez, durch die grosse Ausdehnung seines Commando-Bereiches an die Spitze einer bedeutenden Kraft gestellt, hielt den Zeitpunct für gekommen, seine Lieblingsidee, die Eroberung der Niederlande, ausführen zu können und beschäftigte sich ernstlich mit diesem Plane. Das Corps bei Sedan im Vereine mit der Centrum-Armee bei Metz und den sich bei Chálons sammelnden Neuformationen sollte die Invasion zum Stehen bringen, während Dumouriez selbst die Vereinigung starker Kräfte bei Valenciennes und von dort den Einfall in die Niederlande1)