Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Neue Folge, 1893)

Major Hausenblas: Oesterreich im Kriege gegen die französische Revolution 1792 (Fortsetzung im VIII. Bande)

Oesterreich im Kriege gegen die französische Revolution I i92. 49 Die Ziele dieser beiden Männer waren durchaus verschieden und ebenso verschieden ihre militärischen Ansichten. Luckner gieng von der Ansicht aus, dass der Herzog von Braunschweig über Longwy nach Frankreich Vordringen werde. Er war desshalb mit demTgrössten Theile (1er in den Lagern von Famars und Mauheuge gestandenen Feldtruppen Mitte Juli aufgehrochen und in die Gegend von Metz marschiert,*) während er von Lafayette verlangte, er möge seine Kräfte hei Montmédy concentrieren, um beide Armeen einander möglichst nähern und sich den Preussen bei ihrem Vor­rücken gemeinsam entgegenstellen zu können.* 2) Lafayette hielt die Ausdehnung des ihm nach der Anschauung Luckner’s zukommenden Vertheidigungsraumes zwischen Dün­kirchen und Montmédy für zu gross und behauptete, er könne, mit der Hauptkraft hei Montmédy stehend, das Eindringen der Oesterreicher aus den Niederlanden in Frankreich unmöglich verhindern. Lafayette stützte seine Ausführungen aut die fast traditionelle Beschränkung des einer französischen Nord - Armee zugewiesenen Vertheidigungsraumes bis Givet, höchstens bis Sédan. Auch hielt er die ihm zur Verfügung stehenden Streitkräfte seihst im Vereine mit jenen Luckner’s für viel zu schwach, um dem Gegner in der Front erfolgreich begegnen zu können; er fand es zweckmässiger „sich gegen dessen Flanke und Rücken zu wenden, seine Verbindungen zu unterbrechen und ihn zu zwingen, uns in einem Raume bekämpfen zu müssen, der durch alle Regeln der Kunst befestigt sei.“ Er wünschte, dass man für die Nord- Armee Sédan als äusserste Ausdehnung für den rechten Flügel bestimme und beabsichtigte die Truppen des Generals Dillon bei Valenciennes und Maubeuge zu concentrieren, ein Corps von 6000 Mann nach Sédan vorzuschieben, mit dem Reste seiner Truppen aber eine derartige Aufstellung zu wählen, dass er sowohl Maubeuge, als Sédan schnell erreichen könnte. Auf diese Weise glaubte Lafayette die Grenze zwischen Lille und Givet am besten zu decken und bei der Hand zu sein, wenn der Herzog von Braunschweig durch die „trouée von Carignan“ vorrücken sollte.3) t) Siehe Mittheilungen des Kriegs-Archivs. VI. Band, S. 98. 2) Lafayette III, 449. 3) Lafayette III, 449, 450. Mittheilungen des k. und k. Kriegs-Archivs. Neue Folge. VII. 4

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