Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement (1892)
Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegsschauplätzen der Monarchie. IV. Theil. Der nordöstliche Kriegsschauplatz in Galizien und der Bukowina - Vorgeschichte
10 Vorgeschichte. Diese Thatsache diente dem Könige Gustav Adolf von Schweden im Jahre 1630 mit als Vorwand zum Begine der Feindseligkeiten gegen den Kaiser Ferdinand II. im 30jährigen Kriege. In den letzten Jahren des polnisch-schwedischen Krieges wurden die Polen abermals von kaiserlichen Truppen unterstützt, wobei diese Krakau im Jahre 1657 den Schweden abnahmen. Im Vertrage von Oliva trat Polen den grössten Theil von Lievland, dann Esthland und die Insel Oesel an Schweden ab; in jenem zu Andruszow (1667) mussten Smolensk, Sievierz, Czernichow und die Ukraine jenseits des Dnjeper an Russland abgetreten werden. 1669 dankte Johann II. Casimir ab und zog sich als Priester nach Frankreich zurück; er starb 1672 zu Nevers als der letzte Wasa und Jagellone (der weiblichen Linie). Nach der Abdankung Johann II. traten acht Kronbewerber auf. Keiner derselben wurde berücksichtigt, sondern ein Piast (Einheimischer) am 19. Juni 1669 zum Könige gewählt. Es war dies Michael Wiesnowiecki, der unter immerwährenden Unruhen bis zum Jahre 1673 regierte. Im Jahre 1672 ward Polen in einen Krieg mit der Türkei verwickelt; diese bemächtigte sich Kamie- niec’s, Podoliens und der Ukraine. Ausser Stande, den Türken Widerstand zu leisten, schloss König Michael den Frieden von Buczacz, in welchem er Podolien abtrat und sich zu einem jährlichen Tribut verpflichtete. Der Kronfeldherr Johann Sobieski verweigerte dem Frieden seine Zustimmung und rieb bei Chotin am 10. November 1673 ein türkisches Heer auf. An diesem Tage starb auch der König Michael und im Mai 1674 ward Sobieski als Johann III. zum Könige gewählt. Dieser wurde im Jahre 1676 gezwungen, Podolien (mit Kamieniec) der Pforte zu überlassen, erhielt dagegen einen Theil der Ukraine zurück. Im Jahre 1683 verband er sich mit Kaiser Leopold I. gegen die, Polen und Oesterreich gleichzeitig bedrohenden Türken. An dem glorreichen Siege vor Wien am 12. September 1683, sowie an der Verfolgung der Türken auf ihrem Rückzuge durch Ungarn nahmen die Polen lebhaften Antheil. Johann III. starb im Juni 1696 und im Jahre 1697 wurde der Kurfürst Friedrich II. August von Sachsen zu seinem Nachfolger erwählt. Friedrich II. nahm Anlehnung an Oesterreich und