Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement (1892)
Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegsschauplätzen der Monarchie. IV. Theil. Der nordöstliche Kriegsschauplatz in Galizien und der Bukowina - Vorgeschichte
Vorgeschichte. 11 erwirkte durch dessen Einfluss die Rückstellung von Kamieniec und Podolien seitens der Türken im Frieden zu Karlowitz am 26. Jänner 1699. Verbündet mit Russland und Dänemark, wollte August den Schweden wieder Lievland abnehmen. Karl XII. von Schweden drang nach Lithauen und Polen vor, besetzte Warschau, siegte am 20. Juni 1702 bei Clissow, gewann Krakau und erklärte nach weiteren Siegen August II. im Jahre 1704 für abgesetzt. An seine Stelle wurde der Palatin von Posen, Stanislaus Leszczynski, auf den Thron erhoben. Als am 8. Juli 1709 das schwedische Heer von den Russen bei Pultawa vernichtet wurde, setzte sich August II. wieder in den Besitz Polens. Im Jahre 1733 folgte August III., Kurfürst von Sachsen, in der Regierung. Unter ihm trat die Auflösung Polens durch innere Wirren und Parteiungen deutlich hervor. Den Ausbruch eines auf einen Thronwechsel abzielenden Bürgerkrieges erlebte er nicht mehr, da er am 5. October 1763 plötzlich zu Dresden starb. Nun wustse Katharina II., Kaiserin von Russland, in Verbindung mit Friedrich II. von Preussen die Wahl des ihr ergebenen Grafen Stanislaus Poniatowski zum Könige von Polen durchzusetzen und für die Glaubensgenossen beider Monarchen, die Dissidenten (Protestanten und nicht unirte Griechen), gleiche Rechte mit den Katholiken zu erwirken. Gegen diese Bewilligung bildete sich zu Bar in Podolien eine Conföderation. Zwischen dem von den Russen unterstützten König Stanislaus und den Conföderirten brach ein blutiger Bürgerkrieg aus, an den sich ein Krieg zwischen den Russen und Türken reihte. Das Kriegsglück Russlands legte Oesterreich und Preussen die Nothwendigkeit auf, der Verschiebung des Gleichgewichtes durch active Theilnahme an den polnischen Angelegenheiten vorzubeugen. Österreich liess, um die 1402 von Ungarn an Polen verpfändete Zipser Gespanschaft zurückzugewinnen, und Preussen unter dem Vorwände eines Grenzcordons gegen die Pest, Truppen in das ganz von russischem Einflüsse beherrschte Polen einrücken. Diese beiden Mächte übernahmen auf Ansuchen der Türken die Friedensvermittlung und einigten sich mit Russland, dieses für die Zurückgabe der eroberten türkischen Länder, sich selbst aber theils für Rüstungskosten, theils für von Preussen gezahlte Hilfsgelder zu entschädigen, im Jahre 1772 zur ersten Theilung Polens. In dieser erhielt Oesterreich ausser der Zipser Gespanschaft Galizien und Lodomerien als ein eigenes