Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement (1892)

Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegsschauplätzen der Monarchie. IV. Theil. Der nordöstliche Kriegsschauplatz in Galizien und der Bukowina - Vorgeschichte

Vorgeschichte. 9 Mit der Reorganisation Lithauens beschäftigte sich der König lebhaft. Auf der Union von Lublin, 1569, ward Lievland Polen und Lithauen gemeinschaftlich unterstellt, hingegen Podolien, Wolhynien, die Ukraine (Kiew) und West-Preussen definitiv Polen einverleiht. Warschau als neutrale (masovische) Stadt wurde zum Versammlungsorte der Reichstage erwählt. Mit Sigmund II. August erlosch (7. Juli 1572) der Mannes­stamm der Jagellonen. Der Adel hatte sich unter ihnen in den Besitz vieler politischer Rechte zu setzen gewusst und der Regierung eine aristokratisch-republikanische Form gegeben, die der Keim aller späteren Zerrüttung war. Auf Grund des Wahlrechtes erhob der Adel im Jahre 1573 Heinrich von Anjou auf den Thron, welcher aber schon nach einem halben Jahre entfloh, um den durch den Tod seines Bruders Karl IX. erledigten französischen Thron zu besteigen. In Folge dessen wurde Stefan Báthori, Fürst von Siebenbürgen, im Jahre 1576 zum polnischen König gewählt. Er führte die Kriege mit Russland um den Besitz von Lievland mit grosser Energie und zwang die Russen zur Räumung Lievlands und zur Rückgabe von Polock an Polen. Stefan starb 1586. Die folgenden drei polnischen Könige: Sigmund III. von Schweden, Wladislaw IV. und Johann II. Casimir, gehörten dem Hause Wasa an, dessen Erhebung die Vereinigung der beiden nordischen Kronen bezweckte. Doch bildete die Religionsverschieden­heit das Hinderniss hiefiir und als die polnischen Könige des Hauses Wasa auch den schwedischen Thron wieder zu gewinnen strebten, entstand ein langwieriger Krieg mit Schweden, der erst mit dem nachtheiligen Frieden zu Oliva am 3. Mai 1660 endete. Neben den Kriegen mit den Schweden liefen Kämpfe mit der Moldau, mit Russland, mit den Tataren und Türken. Polens Nachbarländer gingen bald Hand in Hand mit den Schweden, bald im Bunde mit Polen gegen diese. Diese Verhältnisse ausnützend, erlangte der Kurfürst von Brandenburg in einem am 17. September 1657 zu Wehlau mit König Johann II. Casimir geschlossenen Ver­trage die Souverainität für das Herzogthum Preussen. Während der Kriege Polens mit Schweden hatte der Herzog von Friedland den König von Polen im Jahre 1627 mit 4000 Mann, im Jahre 1629 mit 10.000 Mann kaiserlicher Truppen unterstützt.

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