Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement (1892)
Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegsschauplätzen der Monarchie. III. Theil. Der südöstliche Kriegsschauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien - Der Aufstand in Süd-Dalmatien 1869-1870
516 Der Aufstand in Süd-Dalmatien 1869 —1870. Budua. Aufständischen drangen nicht nur über die Brücke, sondern unter wildem Geheul auch durch eine, für den Wasserabzug freigehaltene und unversichert gebliebene Maueröffnung in die Kaserne ein. Die vollständig überfallene und ihres Commandanten beraubte Mannschaft nahm den ihr unter so ungünstigen Umständen aufgedrungenen Kampf zwar herzhaft auf, sah sich der Uebermacht gegenüber aber nicht nur zu sofortigem Aufgeben des Erdgeschosses gezwungen, sondern sehr bald auch in den oberen Stockwerken hart bedrängt, so dass sie schliesslich bis auf die Plattform des Gebäudes zurückweichen musste. Nachdem die letztere von einem in der Nähe situirten Felsen derart dominirt wurde, dass der Angreifer sie von diesem Puncte aus mit Gewehrfeuer und sogar mit Steinwürfen bestreichen konnte, beides auch alsbald ins Werk setzte, so war jeder weitere Widerstand unmöglich und die Besatzung musste in die ihr im Laufe des Nachmittags wiederholt angebotene Capitulation willigen. Entgegen ihren sonstigen Gepflogenheiten und in ganz ausnahmsweiser Grossmuth machten die Aufständischen den aus 40 Mann bestehenden Rest der Yertheidiger Stanjeviö’s nicht nieder, sondern gewährten diesen freien Abzug nach Budua. Dagegen wurde das Fort, nachdem es gründlich ausgeplündert worden war, in die Luft gesprengt. Am 22. October erschienen ansehnliche Banden vor Budua, dessen Garnison anlässig der Expedition vom 19. October auf 50 Jäger des 27. Bataillons reducirt worden war, die zur Ver- theidigung des ohnehin mangelhaft verwahrten Platzes natürlich auch nicht annähernd hinreichten. FML. Wagner, in Cattaro telegraphisch von der Budua drohenden Gefahr verständigt, liess das soeben von Crkvice zurückkehrende 27. Jäger-Bataillon mit 2 Raketen-Geschützen auf dem Dampfer »Andreas Hofer« einschiffen und unter Major Toms sofort dahin abgehen, wo das Detachement am 22. 11 Uhr Abends eintraf. Trotz des schlechten Wetters ging Major Toms noch im Laufe der Nacht an die Debarquirung der mit ihm gekommenen Abtheilungen, wobei die Schiffsgeschütze des »Hofer« insoferne mitwirkten, als sie die aussei’halb der verrammelten Stadtthore angesammelten Insurgentenhaufen unter Feuer nahmen. Allein die