Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement (1892)
Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegsschauplätzen der Monarchie. III. Theil. Der südöstliche Kriegsschauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien - Der Aufstand in Süd-Dalmatien 1869-1870
Gorazda (Gorazda). Trinitä. Stärke des Jäger-Bataillons betrug nur 230 Mann und vermochte, selbst im Verein mit der ursprünglichen kleinen Besatzung, den gesteigerten Anforderungen eines strengen und permanenten Ver- theidigungsdienstes kaum auf die Dauer zu genügen. Als die in der Zahl von 500—600 Mann vor Budua stehenden Aufständischen daher am Nachmittag des 23. ein intensives, wohlgezieltes Feuer gegen die auf der Stadtmauer vertheilten Jäger eröffneten und damit auch die ganze Nacht hindurch fortfuhren, sandte Major Toms den Dampfer nach Cattaro zurück und liess um Verstärkung bitten. Zunächst ward ihm diese durch das am 24. October erfolgende Eintreffen des Kanonenbootes »Streiter«, das FML. Wagner aus eigener Initiative nach Budua nachgesendet und auf welchem er einige, den Beständen von Cattaro entnommene leichte Geschütze dahin instradirt hatte. Nachdem die landseitigen Zugänge des Ortes insgesammt von den Insurgenten besetzt waren, mussten Geschütze und Munition mittelst Flaschenzügen über die Hafenmauer emporgewunden werden, während die schweren Kanonen des »Streiter« die Aufständischen fernhielten. Als am 25. dann auch noch der Dampfer »Hofer« von Cattaro zurückkehrte und nicht nur 2 Compagnien des 48. Infanterie-Regiments, sondern überdies 4 acht- pfündige Geschütze mit Munitions-Vorräthen brachte, konnte Budua als gesichert angesehen werden und die Garnison sah sich in die Lage versetzt, ab und zu sogar kleine mobile Colonnen gegen die Insurgenten auszusenden. Ziemlich gleichzeitig mit dem Angriffe auf Budua, gingen jene übrigens auch gegen die 4 Kilometer südlich von Cattaro gelegenen Forts Gorazda und Trinitä vor. Beide Werke haben im Vereine mit dem Fort Vermac die Aufgabe, Cattaro gegen Süden zu decken und liegen unweit der montenegrinischen Grenze. Das näher an Cattaro situirte Trinitä, ein alter, zwei Etagen hoher Thurm mit einer gedeckten Geschütz-Envelo'ppe, galt als eigentliche Pass-Sperre und beherrschte die Strasse nach Budua, während das höher und an einem, aus Montenegro herüberführenden Saumwege gelegene Gorazda (Gorazda) nur als provisorisches, seiner Wichtigkeit keineswegs entsprechendes Werk') auf trockenen *) Gorazda gewährt nämlich die beste Einsicht in die Zupa, schützt in- directe die Thal-Sperre Trinitä und beherrscht die in dieser Richtung aus Montenegro herüberführenden Wege. 35*