Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement (1892)

Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegsschauplätzen der Monarchie. III. Theil. Der südöstliche Kriegsschauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien - Der Krieg in Ungarn 1848-1849

450 Der Krieg in Ungarn 1848—1849. seiner Belagerungs-Batterien nach und nach bis auf 20 und begann am 4. Juli eine heftige Beschiessung des Platzes, welche durch 15 Tage anhielt. Unter dem Schutze dieses Feuers eröffnete der Feind die zweite Parallele und versuchte in der Nacht vom 18. auf den 19. Juli einen allseitigen Angriff auf den bedeckten Weg, wobei er aber durch das Kartätschenfeuer der Aussenwerke ab­gewiesen wurde und schwere Verluste erlitt. Obwohl die Besatzung an Lebensmitteln Mangel litt und von Seuchen arg decimirt wurde, leistete sie unter dem Festungs- Commandanten FML. Rukavina dennoch einen bewunderungs­würdigen Widerstand. In der Nacht vom 4. zum 5. Juli rückten, protegirt von einem heftigen Feuer der Festungsgeschütze, zwei Colonnen aus dem verschanzten Lager längs beider Ufer des Bega-Canales vor, um die dort errichteten Batterien zu zerstören. Die erste Colonne, 400 Mann unter Hauptmann Melzer, drang mit dem Bajonnette in die Batterie ein, vernagelte darin 5 Geschütze, machte einige Gefangene und wich dann fechtend nach dem be­deckten Wege zurück. Die zweite Colonne, 500 Mann unter Major Pöschl, fand den Gegner bereits alarmirt und kampfbereit, vertrieb ihn aber dennoch aus den Batterien und vernagelte 13 Geschütze. In der Nacht des 11. Juli fielen unter Major Schifter wieder 000 Mann gegen die in der »Neuen Welt« erbaute Mörser-Batterie aus, machten deren Besatzung nieder und vernagelten 7 Geschütze. Seit der letzten Woche des Monats Juli entwickelte Vécsey die grösste Thätigkeit und die Heftigkeit des Bombardements er­reichte am 31. Juli ihren Höhepunct. Unterstützt von demselben sollte die dritte Parallele eröffnet werden, aber die Wachsamkeit der Garnison verhinderte solches und schlug mehrere Stürme, welche die Belagerer zur Nachtzeit gegen den bedeckten Weg unternahmen, zurück. Als die Lage der ungarischen Truppen durch das Vorrücken der verbündeten Armeen immer bedenklicher wurde, versuchte Vécsey die Festung Temesvár durch einen Handstreich zu ge­winnen. In der Abenddämmerung am 4. August formirten sich die Belagerer in der zweiten Parallele und stürmten um 9 Uhr von zwei Seiten das verschanzte Lager und ausserdem die Südseite der Festung. Als zwei Stürme bereits abgeschlagen waren, gingen die Ungarn mit grösster Bravour zum dritten Male vor, erstiegen

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