Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Neue Folge, 1891)

Hauptmann Hausenblas: Oesterreich im Kriege gegen die französische Revolution 1792 (Fortsetzung im VI. Bande)

24 Hausenblas. Jahre 1792 empfanden die Armeen der Verbündeten, welche mit einem Verpflegs-Stande von kaum 120.000 Mann in Frankreich ein­rückten, schon den empfindlichen Mangel an Lebensrnitteln, nament­lich an Brod und Fleisch, die das verarmende Land nicht mehr liefern konnte. Ein Theil der Schuld lag allerdings an der Schwer­fälligkeit des Magazin-Systems, zum nicht geringen Theile aber doch in dem Umstande, dass selbst für die Bevölkerung die Haupt­bedürfnisse nicht mehr im Lande seihst aufzubringen waren. Die Bevölkerung Frankreichs, sonst fleissig, arbeitsam und ihren Gewerben nachgehend, war durch die revolutionäre Be­wegung, welche Frankreich durchzog, in einen nicht geringen Grad der Aufregung versetzt worden. Die schlechten Ernten der vergangenen Jahre, das Stocken des Handels, die nahezu uner­schwingliche Steuerlast hatten eine allgemeine Missstimmung er­zeugt und den revolutionären Grundsätzen den Boden geebnet. Die Partei der Jacobiner, welche in allen grösseren Orten ihre ('lubs hatte, inscenirte Steuerverweigerungen, Plünderungen adeliger Güter und Gewaltthätigkeiten jeder Art. Die feindselige Erregung der grossen Masse bereitete den einrückenden Heeren der Ver­bündeten einen nichts weniger als freundlichen Empfang, obwohl die Alliirten, den Aussagen der Emigranten Glauben schenkend, darauf gerechnet hatten, die Bevölkerung zum grossen Theile für Ludwig XVI. sich erklären zu sehen. Vielfach wurde von den Einwohnern auf die einrückenden Oesterreicher und Preussen ge­schossen, sowie Transporte überfallen und geplündert. Die vortreffliche Lage des zweiten Theiles des Kriegs-Schau­platzes, der österreichischen Niederlande, zwischen Deutschland und England, zwischen Frankreich und Holland, die vielen schiffbaren Flüsse und Canäle und die vorzüglichen Strassen hatten von altersher diesen Provinzen einen ausgebreiteten inneren und äusseren Handel gewonnen, der das Land so ausserordentlich be­reicherte, dass Belgien im Stande war, Jahrhunderte hindurch einen blutigen Krieg nach dem andern, der um den Besitz dieser herrlichen Landschaften geführt wurde, über sich hinziehen zu sehen, ohne zu Grunde zu gehen.

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