Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Neue Folge, 1891)

Hauptmann Hausenblas: Oesterreich im Kriege gegen die französische Revolution 1792 (Fortsetzung im VI. Bande)

Oesterreich im Kriege gegen die französische Revolution 1792. 25 Die österreichischen Niederlande, mit Luxemburg und Lüttich1), hatten ein Areale von rund 37.000 km2. Etwa 31/2 Millionen Ein­wohner bewohnten eine grosse Zahl blühender Städte, Dörfer und Flecken. Die Dörfer längs der Landstrassen reihen sich fast alle eines an das andere, so dass die Spanier, als sie noch diese schönen Länder besassen, zu sagen pflegten, sie seien nur ein einziges unermessliches Dorf. Mo* Das Land producirte alle Arten von Kornfrucht, doch reichte auch hier das Erträgniss der Ernte für die dichte Bevölkerung nicht immer aus, so dass im Jahre 1792 für das österreichische Corps bei einem Verpflegs-Stande von wenig über 50.000 Mann ein grosser Tlieil der Mehlvorräthe ausserhalb des Landes beschafft werden musste. Hafer wurde sogar aus Polen herbeigeführt.2) Die Obst- und Gemüsezucht stand auf einer hohen Stufe der Vollendung. Der fruchtbarste Theil des Landes war die Provinz Flandern, der Kaum zwischen Schelde und Meer, welcher einem Garten glich. Der Boden besteht aus schwarzem, fettem Ackerland, die Wiesen sind mit Gesträuchen und Bäumen eingefasst, neben welchen Abzugsgräben oder gemauerte schiffbare Canäle mit Schleussen führen, die grosse Theile des Landes unter Wasser setzen können. Zwischen Schelde, Sambre und Maas gewährt die Landschaft einen anderen Anblick. Das wellenförmige Hügelland ist hier stark coupirt, der Boden lehmig, bei trockener Witterung hart, bei nasser schwer passirbar. Die Felder sind vielfach von Baum­reihen durchsetzt, so dass das Land an manchen Puncten beinahe einem lichten Walde gleicht. Im Gegensätze zu diesen fruchtbaren Landschaften steht die Gegend östlich Antwerpen bis zur Domniel, eine unfruchtbare Sandhaide mit einigen kleinen Moorstrecken, Seen und Teichen, die „Campine“ genannt, der sich jenseits der Dommel zwischen dieser und der unteren Maas die sterile Sumpfniederung des „Peels“ anschliesst. Der Raum zwischen der unteren Maas und dem Rhein ') Das Land war in 10 Provinzen eingetheilt: Brabant, Limburg, Luxem­burg, Geldern, FlaMern, Henfiegau. Namur, Mecheln, Tournay, Antwerpen. 2)"fc. A.; H. K. R. Acten 1792, IV, 1 und K. A. 1792, IV, 38.

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