Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Neue Folge, 1891)
Hauptmann Hausenblas: Oesterreich im Kriege gegen die französische Revolution 1792 (Fortsetzung im VI. Bande)
Oesterreich im Kriege gegen die französische Revolution 1792. 11 Es handelte sich also nicht um die Wiederherstellung der früheren Zustände in Frankreich, die Quelle so vielen Unglücks, sondern zunächst um die Restitution „einer monarchischen Regierung, gleich entsprechend den Rechten der Fürsten und dem Wohle der Nation.“ x) Gleichzeitig fanden in Pillnitz auch Voreinleitungen zum Abschluss eines geheimen Allianzvertrages zwischen Oesterreich und Preussen statt. 2) Die Pillnitzer Declaration war von hoher politischer Bedeutung. Sie kennzeichnete nicht nur die Stellung Oesterreichs und Preussens der Revolution gegenüber, sondern bildete auch einen sichtbaren Wendepunct in der bisherigen Politik beider Mächte, welche sich zum Schaden des deutschen Reiches so lange Jahre feindselig entgegengestanden waren.3) Die Aufregung, welche diese Erklärung dagegen bei den Jacobinern hervorrief, war eine ungeheuere. Noch stand aber dem „Berg“ eine gemässigtere Mehrheit in der National-Versammlung entgegen, noch besass diese selbst einige monarchische Gesinnung oder schützte sie wenigstens vor und als König Ludwig XVI. am 14. September 1791 die von der National-Versammlung ausgearbeitete Verfassung beschwor, hatte es den Anschein, als ob die Monarchie in Frankreich sich noch einmal und ohne auswärtige Hilfe emporzuraffen vermögen werde. Am Wiener Hofe entschloss man sich daher, statt das gleich anfangs in Vorschlag gebrachte „active Concert gegen Frank•) Oesterreichisch-preussische Declaration, Pillnitz, 27. August 1791. Vivenot I, 234. 2) Geheimer Staats-Referendär Freiherr von Spielmann an den Fürsten Kaunitz. Prag, 31. August 1791. Vivenot 1, 236. 3) Schon Kaiser Josef II. sagte über ein Bündniss Oesterreichs mit Preussen: „Wenn das Haus Oesterreich und das Haus Brandenburg sich aufrichtig verbinden und nach einem gemeinsamen Plane handeln, so haben sie sich weder vor einer, noch vor mehreren verbündeten Mächten zu fürchten und sie sind nicht blos die Schiedsrichter über Deutschland, sondern über ganz Europa, müssen von allen Mächten gesucht werden und haben nicht nöthig, sich um die Gunst irgend einer einzigen zu bekümmern“. Doch Kaunitz in Oesterreich und Hertzberg in Preussen waren gegen eine solche Politik ihrer Souveräne und erst nach dem Tode Kaiser Josef II.. als Leopold II. gegen den Willen seines Kanzlers eine selbstständige Politik führte und Hertzberg beseitigt wurde, kam es zur Annäherung zwischen beiden Staaten.