Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Neue Folge, 1891)

Hauptmann Hausenblas: Oesterreich im Kriege gegen die französische Revolution 1792 (Fortsetzung im VI. Bande)

12 Hausenblas. reich zu realisiren, ein internationales passives Systeme de l’attente et de l’observation“ zu versuchen r) und man gab sich schon der Hoffnung bin, den Krieg vermeiden zu können. Doch die Ent­scheidung hierüber lag nicht mehr in den Händen des Kaisers. Die Jacobiner begriffen ganz wohl, dass die Annahme der Con­stitution eine wenigstens augenblickliche Kräftigung der Monarchie bedeute und drängten unaufhörlich zum Kriege, indem sie in der zu erwartenden allgemeinen Verwirrung am raschesten die Früchte ihrer Bestrebungen reifen zu sehen hofften. Gestand doch Brissot, einer der wüthendsten und einflussreichsten Republikaner selbst zu: „Als ich auf die Kriegserklärung drang, da war es meine Absicht, das Königthum abzuschaffen.“ 2) An Vorwänden zu einem Kriege konnte es nicht fehlen. Der Schutz und die Unterstützung, welche die Emigranten in den an Frankreich grenzenden Gebieten deutscher Fürsten gefunden, sowie die militärischen Rüstungen, welche die an der Spitze der Emigration stehenden Brüder Ludwig XVI. Vornahmen, hatten längst die Aufmerksamkeit der Revolutionspartei erregt und wiederholt verlangten Hire Führer vom Könige, sowohl gegen die Emigranten, als gegen die deutschen Reichsfürsten, namentlich die Kurfürsten von Trier und Mainz, energische Schritte zu unter­nehmen. Kaiser Leopold hatte die Gefahr, welche aus der Emi­grantenfrage für den Frieden, wie für Ludwig XVI. selbst entstehen konnte, vollkommen erkannt und nicht nur in den Niederlanden und in Vorder-Oesterreich jede bewaffnete Ansammlung von Emi­granten untersagt,3) sondern auch an die Kurfürsten die eindring­lichsten Ermahnungen gerichtet.4) Fürst Kaunitz liess durch den Charge d’affaires von Korn­rumpf auf diplomatischem Wege das Möglichste aufbieten, um ein ') C.ircular-Erlass des Fürsten Kaunitz an die Gesandtschaften zu Peters­burg, Madrid. Berlin. Neapel und Stockholm. Wien. 12. November 1791. Vivenot I, 270 und Vorlage der Staatskanzlei vom 17. Januar 1792, Vivenot 1, 330. 2) Brissot á tous les republicans. 8) Kaunitz an den Kurfürsten von Mainz, Wien. 11. November 1791. Vivenot h 266. 4) Der Kurfürst von Mainz an den Beichs-Vice-Kanzler, Mainz. 5. No­vember 1791. Vivenot f. 264.

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