Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Neue Folge, 1889)

Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegs-Schauplätzen der Monarchie. III. Theil (Fortsetzung): Der südöstliche Kriegs-Schauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien

150 Dör zweite Krieg Kaiser Leopold I. gegen die Türken 1683—1699. Zigeuner­Insel. Pancsova. Den Oberbefehl über die ungarische Armee sollte in diesem Jahre der FM. Herzog von Croy führen und — so lautete der an ihn ergangene Befehl des Hofkriegsrathes — »bei grosser Ueber- legenheit des Feindes sich auf die Defensive beschränken«, im ent­gegengesetzten Falle jedoch angriffsweise verfahren. Die Armee, zum grossen Theile wieder aus Auxiliartruppen bestehend, hatte sich in der Gegend von Mohács zu sammeln und dann über die Drau und gegen Peterwardein vorzurücken. Da es an Geld fehlte, verging ein grosser Theil des Sommers, bevor das Heer in einen auch nur einigermassen schlagfertigen Zustand gebracht war und die Lücken desselben nothdürftig ergänzt werden konnten. Ebenso ungünstig sah es mit der Ausrüstung der kaiserlichen Czaiken- flottille aus und die Verpflegung liess fast Alles zu wünschen übrig. Croy kam am 22. Juli in Peterwardein an und beschloss, da die feindliche Haupt-Armee noch nicht im Felde erschienen war, die Belagerung von Belgrad zu unternehmen. Um den Gegner über sein Vorhaben zu täuschen, liess er das Gerücht verbreiten, dass er Temesvár anzugreifen beabsichtige, und veranlasste den Comman- danten von Belgrad durch diese Finte thatsächlich, 3000 Janit- scharen der eigenen Besatzung zur Verstärkung nach Temesvár zu senden. Am 30. Juli wurde die Schiffbrücke bei der Zigeuner- Insel vollendet und mit der Passirung des Flusses begonnen. Nach einem kurzen Geschützkampfe mit türkischen Czaiken, der unweit dieser Insel am 1. August stattfand, wurde der Marsch gegen Belgrad, das noch immer von 9000 Mann türkischer Kerntruppen besetzt und trefflich befestigt war, fortgesetzt. Schon am 3. August begannen die Kaiserlichen mit der Aushebung einer von der Save bis zur Donau reichenden Circumvallationslinie, obwohl die ganze Armee erst am folgenden Tage vor Belgrad anlangte und das Be­lagerungsgeschütz noch unterwegs war. Ein heftiger Ausfall, den die Türken mit 2000 Mann auf die in ihren Linien arbeitenden Kaiserlichen am 6. August unternahmen, konnte erst nach einem längeren, verlustreichen Kampfe zurückgeschlagen werden. Drei Tage später besetzte ein von den Belagerern entsendetes Detachement die Palanka von Pancsova ohne Kampf und erbeutete neun Ge­schütze und einige Munition. Am 12. August wurden die Lauf­gräben auf 3—400 Schritte Entfernung von der Contreescarpe und zwar zwischen der Save und der Wasserstadt, eröffnet, wobei die

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