Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Neue Folge, 1889)
Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegs-Schauplätzen der Monarchie. III. Theil (Fortsetzung): Der südöstliche Kriegs-Schauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien
Feldzug 1793. 149 ihre Expeditionen weiter landeinwärts ausdehnen, als solches in früheren Jahren der Fall gewesen war. Während die Montenegriner verwüstend in das türkische Albanien einbrachen, sammelten sich 8000 Morlaken bei Sebenico und drangen am 21. Juni tief nach Bosnien vor, in welchem Lande sie Bila zerstörten, eine ansehnliche Beute eintrieben und gegen 5000 gefangene Christen befreiten. Wenige Wochen später, am 14. Juli, wendeten sich die Morlaken unter Führung des venezianischen Brigadiers Francesco Cruta nach der bisher noch wenig gebrandschatzten Gegend von Scopia (Dolnj Vakuf), verbrannten in derselben gegen 1000 Wohngebäude und vernichteten unter den Geschützen des Schlosses Livno ansehnliche den Einwohnern gehörige Erntevorräthe. Diese Streifungen wurden durch den Pascha von Albanien gerächt, welcher den Venezianern alle von diesen auf montenegrinischem Boden in Besitz genommenen Plätze wieder entriss. Die Venezianer blokirten hiefür Klobuk und verheerten das Gebiet von Gaczko und das dahinter liegende Land bis an den Tara-Fluss. Feldzug 1693. Quellen: Klein-Fessler, Geschichte von Ungarn. — Schels, Kriegsgeschichte der Oesterreicher. — Theatrum europaeum. —- Onno Klopp, Das Jahr 1683 und der folgende grosse Türkenkrieg. — Hammer-Purgstall, Geschichte des osmanischen Reiches. — Acten des k. k. Kriegs-Archivs. Der Krieg des Jahres 1693, obwohl blutiger als der des Vorjahres, blieb ebenfalls ohne Entscheidung und verrieth aufs deutlichste die hochgradige Erschöpfung, welche bei den kämpfenden Mächten eingetreten war. Noch vor dem Beginne der eigentlichen Operationen erschien der GFWM. Graf Heister mit 1000 Mann regulärer Truppen und einer ansehnlichen Anzahl von Heiducken und Husaren vor Jenö, eroberte am 17. Mai durch kühnen Ueberfall die Vorstadt und traf sofort Anstalten zur Belagerung der ziemlich starken, mit einem von der Körös gefüllten Wassergraben umgebenen Citadelle. Nach einer heftigen Beschiessung capitulirte die 8000 Mann starke türkische Besatzung gegen freien Abzug am 29. Mai. Die Kaiserlichen, die in der kurzen Belagerung gegen 800 Mann verloren hatten, fanden in dem eroberten Platze 38 Geschütze und einen ansehnlichen Vorrath von Munition. Gleichzeitig brachte ein kaiserliches Detachement das feste Világos, ebenfalls durch Capitulation, in seinen Besitz. Jenö. Világos.