Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Neue Folge, 1889)

Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegs-Schauplätzen der Monarchie. III. Theil (Fortsetzung): Der südöstliche Kriegs-Schauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien

Feldzug 1692. 147 Feispass zwängt und in einer Strecke von 5400 m Länge auf eine Strombreite von 190 m zusammengepresst ist. Die Höhe bildet eine schwer zugängliche, üheraus vortheilhaft gelegene Stromsperre und ist 30 m lang (tief), 20 m breit, 15 m hoch und nahezu völlig dunkel; nur eine kleine, der Donau zugekehrte und etwa 3 m ober dem Wasserspiegel situirte Oeffnung lässt das Tageslicht ein- dringen. Die in der Höhle placirten kaiserlichen Geschütze, welche den Strom in seiner ganzen Breite beherrschten, machten dem ohne­hin mit den grössten Schwierigkeiten verbundenen Verkehre der türkischen Transportschiffe schnell ein Ende. Schon am 29. März versuchten die Türken von der Insel Greben aus, sich der Höhle Pescabara zu bemächtigen, wurden aber mit Verlust zurückge­schlagen. Nicht besser verliefen zwei spätere Angriffe, am 15. und 27. April, obwohl sie mit einer grossen Uebermacht an Truppen und zwölf armirten Czaiken unternommen wurden. Am 2. Mai endlich erschien Ali, der Pascha von Belgrad, mit 2000 Mann und zahlreichen Schiffen vor der Höhle und einigen seiner Arnauten gelang es, die Felsen oberhalb des Einganges der Höhle zu er­klettern und Steinblöcke auf die Kaiserlichen herabzurollen. Letz­tere mussten sich nach dem Innern der Grotte zurückziehen, wo sie, dem Verdursten nahe, ohne Munition und gequält durch den Rauch, am Abende des 2. Mai gegen freien Abzug capitulirten. Die Türken, wüthend über den Verlust von fast 2000 Mann, den sie in ihren wiederholten Angriffen erlitten hatten, hielten jedoch den abgeschlossenen Vertrag nicht ein, sondern schleppten die Be­satzung nach Belgrad in Kriegsgefangenschaft, aus welcher die tapferen kaiserlichen Soldaten erst im nächsten Frühjahre entlassen wurden. Nach der Einnahme von Grosswardein marschirten die dortigen Belagerungstruppen gegen die Maros vor, um sich an dieser mit dem siebenbiirgischen Corps in Verbindung zu setzen. Beide deckten Siebenbürgen und Ober-Ungarn, während sich die Haupt-Armee zwischen Esseg und Vukovár concentrirte. Der Markgraf von Baden traf am 22. August bei der letz­teren ein, konnte aber die Operationen nicht eröffnen, da die Auxiliartruppen grösstentheils noch im Anmarsche begriffen und von den Kaiserlichen in wenigen Tagen 200 Officiere und 3000 Mann am Typhus erkrankt waren. Die Armee vermochte deshalb auch 11*

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