Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Neue Folge, 1889)
Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegs-Schauplätzen der Monarchie. III. Theil (Fortsetzung): Der südöstliche Kriegs-Schauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien
146 Der zweite Krieg Kaiser Leopold I. gegen die Tűiken 1683—1699. Gyula. Grosswardein. Veteranische Höhle. von Armen der weissen Körös umflossen, durch Brücken miteinander in Verbindung gesetzt waren. Am 13. Januar brach GFWM. Auersperg in drei Colonnen gegen Gyula auf und griff um 6 Uhr Morgens die Palanken gleichzeitig und mit solchem Nachdrucke an, dass dieselben im ersten Anlaufe genommen und der Gegner in die Citadelle getrieben wurde. Auch diese wäre ohne Zweifel in den Besitz der Kaiserlichen gefallen, wenn die Nationaltruppen nicht zu plündern begonnen und die Stadt in Brand gesteckt haben würden. Auersperg, der hei der Unternehmung nur 50 Mann ein- gebüsst hatte, zerstörte die Palanken, sowie sämmtliche Vorrätlie und ging dann wieder gegen Grosswardein zurück. Ende April 1692 wurden die Blokade-Truppen von Grosswardein um 5000 Mann verstärkt und G. d. C. Heissler, welcher gegen Thököly’s Gattin aus der Gefangenschaft ausgewechselt worden war, erhielt den Befehl, die Belagerung der Citadelle abermals aufzunehmen. Heissler eröffnete am 7. Mai die Laufgräben und legte durch sein Belagerungsgeschütz binnen zehn Tagen einen ansehnlichen Theil der angegriffenen Front in Trümmer. Obwohl in der Citadelle bereits wiederholt verheerende Brände ausgebrochen waren, setzte die Besatzung, welche einen baldigen Succurs erwartete, die Vertheidi- gung standhaft fort, bis am 30. Mai eine von den Kaiserlichen gelegte Mine einen grossen Theil der Umwallung niederwarf. Die Belagerer setzten die Bresche sogleich in gangbaren Stand und Heissler ordnete für den 5. Juni den Sturm an, als die Türken, die Zwecklosigkeit längeren Widerstandes erkennend, an demselben Tage gegen freien Abzug nach Belgrad capitulirten. Die aus un- fähr 2000 Mann bestehende Garnison wurde jedoch in der Gegend von Tokaj zurückgehalten, bis die widerrechtlich in die Gefangenschaft nach Belgrad abgeführte kaiserliche Besatzung der Felsenhöhle Pescabara (Veterani-Höhle) ihre Freiheit wieder erlangt hatte. General Veterani hatte, um den Türken die Verbindung auf der Donau mit Belgrad zu sperren, die heute noch nach ihm benannte Felsenhöhle Pescabara mit 300 Mann und fünf Geschützen, über welche Hauptmann Dominik Baron d’Arnan vom Regimente Mansfeld das Commando führte, Ende Februar 1692 besetzen lassen. Die »Veteranische Höhle«, 22 Kilometer oberhalb Orsova, zwischen den Römerschanzen Pescabara und Marecobila, liegt auf dem linken Ufer der Donau, welche sich hier durch einen engen