Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Neue Folge, 1889)
Hauptmann Kulnigg: Die Römer im Gebiete der heutigen österreichisch-ungarischen Monarchie. Erläuterungen zu einer Uebersichtskarte
298 K u 1 n i g g. Strabo sagt, dass der mächtige Stamm der illyrischen Antariaten mit den Ardinaern eine lange Fehde gehabt wegen eines Salzwassers, dessgleichen meldet Appianus von den Salassern in den norischen Alpen. Man kann also wohl auch die Kenntniss und den allgemeinen Gebrauch des Salzes im ganzen norischen Hochlande lange vor der römischen Invasion als gewiss annehmen, da nichts dafür spricht, dass das Salz erst durch Handel anderswoher nach Rhätien oder Noricum gebracht worden wäre. Bei Landwirthschaft, Bergbau und dem damit verbundenen Handel konnte das Bedürfniss nach festen Wohnplätzen und gemeinsamen Niederlassungen nicht ausbleiben. Schon in keltisch- germanischer Zeit finden sich daher, vorzüglich in den flacheren Gegenden, viele Städte, welche zur Zeit der Römerherrschaft indessen vielfach erweitert und verschönert wurden. Die Ausgrabungen zu Celeja (Cilii), Poetovio (Pettau), Emona (Laibach), Siscia (Sissek) u. A. sind hiefür Zeuge. Schon zur Zeit der Kelten war lebhafter Handelsverkehr durch die Länder des Donau-Gebietes gegangen. Aus Italien, erzählt Aristoteles, führte eine Strasse nach Keltica his zu den Keltoliciern und Iberen, die der Weg des Herakles genannt wird. Die innigen Beziehungen, welche aber nun später durch Handel und Verkehr zwischen den italischen Städten und jenen in Rhätien, Noricum und Pannonien sich bildeten, waren Ursache, dass die Provinzialen öfter nach Rom kamen und mancher dort selbst am Hofe sein Glück machte. Von Rom kam mit ihnen wieder Römerart in die Heimath zurück und das Interesse Aller für Rom blieb wach; »die Stadt« blieb das Centrum des geistigen und materiellen Lebens und tonangebend in jeder Beziehung. Es bestand dazu noch ein weiterer wichtiger Factor zur Romanisirung der Länder in dem Verhältnisse der Niederlassungen zu den Bergbewohnern. Das war ein kriegerisches Volk, dessen streitbare Jugend nach der Unterwerfung nun in Massen als Hülfs- Truppen dem römischen Heere einverleibt wurde, um in fremdem Lande um fremder Zwecke willen auf den Schlachtfeldern Blut und Leben für Rom einzusetzen. Durch das Ausheben dieser jungen Männer und ihre Einverleibung in das römische Heer war es auch den unterworfenen 58