Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Neue Folge, 1889)
Hauptmann Kulnigg: Die Römer im Gebiete der heutigen österreichisch-ungarischen Monarchie. Erläuterungen zu einer Uebersichtskarte
288 K ülni g' g. Diese waren aber wesentlich verschieden von den Auxiliar- Truppen früherer Zeit. Sie wurden nicht aus den Völkerschaften der occupirten und annectirten Länder zusammengesetzt, diese waren ja bereits völlig Römer geworden, sondern aus verbündeten Barbaren-Völkern, welche in Sold und Dienst genommen wurden. Nicht mehr der Römer entschied die Schlachten Roms und erkämpfte seine Siege, sondern gedungene Fremde, Germanen, Heruler, Bructerer und Andere. Geld und Trill mussten ihr Bestes thun. Der römische Militärstaat wandelte sich allmählig in einen speculirenden Finanzstaat um und mit dem Zurückdrängen des Schwertes gelangte das glänzende, aber demoralisirende Geld zur Herrschaft. Auch in der Landanweisung an die Veteranen trat eine Aenderung ein, indem nun diese mit ihren Nachkommen zu ständigen Kriegsdiensten verpflichtet wurden. Neben den regelmässigen Militär- Ansiedlungen kommen auch andere vor, in denen ganze Stämme aus politischen Gründen Land erhielten, vom Suevenfürsten Vannius und seinem Gefolge an, der, von den Seinigen vertrieben, unter Kaiser Claudius I. Sitze in Pannonien erhielt, bis zu den Vandalen, welchen der jüngere Constantin hier Land ertheilte und den Sarmaten, die in derselben und noch späterer Zeit hie und da in den Donau-Ländern als »Gentiles« (fremde Ansiedler) zugelassen wurden. Es gab auch eine Truppe, gentis Marcomannorum, die aus einem Theile des Volkes der Markomannen gebildet war, welcher sich den Römern ergeben und Ansiedlungen im römischen Reiche erhalten hatte. Diese Gentiles wurden von einem Tribun befehligt und standen am niedrigsten im Range der Truppenkörper. Sie waren auch nicht in Cohorten abgetheilt, sondern nur bestimmt, Abgänge zu ersetzen und nebstbei den Ackerbau zu versehen. »Diu apparandum est bellum, ut vincas celerius« sagt Publius Syrus, ein Zeitgenosse Cäsars. »Um schnell zu siegen, bedarf es langer Vorbereitung zum Kriege.« Rom wusste, wenigstens unter seinen besseren Kaisern, im Frieden die erforderlichen Kriegsvorbereitungen in Organisation, Schulung und Geldmitteln wohl zu treffen. Schon zur Zeit der 48