Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Neue Folge, 1889)
Hauptmann Kulnigg: Die Römer im Gebiete der heutigen österreichisch-ungarischen Monarchie. Erläuterungen zu einer Uebersichtskarte
Die Römer im Gebiete der heutigen österr.-ungar. Monarchie. 289 Republik hatte es einen Kriegsschatz in Goldbarren gegeben; Augustus gründete eine ständige Kriegs-Casse. Die Mobilmachung des Heeres war allerdings durch Vieles nachtheilig beeinflusst, nicht zum Wenigsten durch die riesigen Entfernungen und die wenigen Verkehrsmittel und Verbindungen; modernen Massstab darf man daher nicht daran legen wollen. Nichtsdestoweniger haben auch die Römer hierin bemerkenswerthe Leistungen aufzuweisen. Zum zweiten makedonischen Kriege 171 bis 168 v. Chr. fand eine Neu-Aushebung und Mobilmachung von vier Legionen mit etwa 20.000 Mann Infanterie und 1200 Reitern in eilf Tagen statt. Ebenso rasch wusste Rom seine Flotte zu ergänzen und zu rüsten, wenn es noting war. Im ersten panischen Kriege wurden in der Frist von drei Monaten 220 neue Schiffe erbaut. Im Frühjahre 54 v. Chr. fand Cäsar eine Flotte von 600 Transportschiffen und 28 Kriegsschiffen bereit, welche während des Winters gebaut und ausgerüstet worden waren. Für Bewaffnung und Ausrüstung hatte der Staat zu sorgen, es gab hiefür Zeughäuser und Depots, sowie Waffenfabriken. Selbst ein Pferdeausfuhrverbot findet sich 170 v. Chr. schon erwähnt. Später, als die italisch-römische Cavallerie ganz einging und nur HülfsVölker, unter denen oft vorzügliche Reiter-Truppen waren, zu Pferde dienten, wurden derartige Massregeln überflüssig. Auf gleiche Weise war für den Train vorgesorgt, der in den Schilderungen der römischen Feldzüge oft und mit genauer Unterscheidung des eigenen Trains und der im Lande aufgebrachten Landesfuhren erwähnt ist. Zur Zeit Cäsars wird das erste Mal ein vorbereiteter ständiger nnd zahlreicher Artillerie - Train der Wurf- und Belagerungs-Maschinen erwähnt. Die Armee-Commandanten erscheinen unter verschiedener Bezeichnung, ein eigentlicher Titel hiefür bestand beim römischen Heere nicht. Wo nicht eines der Staatsoberhäupter, einer der Consuln oder später die Kaiser selbst den Oberbefehl über eine operirende Armee übernahmen, führten meist die mit demselben betrauten Generale zugleich die politische Verwaltung der betreffenden Provinz oder neuen Acquisition. 19 19