Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Neue Folge, 1889)

Hauptmann Kulnigg: Die Römer im Gebiete der heutigen österreichisch-ungarischen Monarchie. Erläuterungen zu einer Uebersichtskarte

Die Römer im Gebiete der heutigen österr.-Ungar. Monarchie. 285 das ganze römische Reich, welcher je nach dem Yor- oder Rück­schreiten der römischen Herrschaft sich bald hier und bald dort verschob und veränderte. Das ganze eigentlich römische Heer stieg gelegentlich bei übrigens sehr wechselnder Stärke bis auf 300.000 Mann, eine Zahl, die trotz der enormen Ausdehnung des Reiches genügte, so lange kein Staat von ähnlicher Stärke mehr gegeniiberstand und die Haupt­aufgabe des Heeres die Vertheidigung gegen Barbareneinfälle bleiben zu wollen schien, von den eigenen neuen Eroberungszügen abgesehen, die wieder gegen Barbaren geführt wurden. In den »provinciis inermibus« bestanden in der Regel nur Milizen zur Bewachung der Küsten, Einhebung der Steuern und Zölle, sowie Aufrechthaltung der öffentlichen Ruhe und Sicherheit. Jenes Stück der riesenhaften Grenzentwicklung, welches hier in Betracht kommt, die Donau-Linie, erlangte ihre erste regelmässige Besatzung, als unter Augustus die Grenzen von Illyricum bis an die Save vorgerückt wurden. Sechs Legionen, die VII, VIII, IX, XI, XV. »Apollinaris« und die XX.»Valeria victrix«, bildeten die Be­satzung dieser Provinz mit dem damals vereinigten Dalmatien und Pannonien. Bis auf Domitian blieb die Besatzung Pannoniens in Poetovio concentrirt, das als der militärische Stützpunct des ganzen aus­gedehnten Besitzes angesehen wurde. Die einzelnen Legionen wurden im Verlaufe der Zeiten mehr­fach dislocirt, doch blieb im grossen Ganzen die militärische Situation in den illyriscli-pannonischen Ländern während des ersten Jahr­hunderts ziemlich gleich. Die Römer hatten nicht nur die Vertheidigung ihrer Lande im Auge, sie suchten auch in den langen Friedenspausen die Kraft ihrer Soldaten in ihrer Art für die staatlichen Inter­essen auszunützen. Es wurde durch sie das Strassennetz ver- vollkommt, Flüsse wurden regulirt, Bauten errichtet. Dass jede Legion und selbstständig stationirte Auxiliar-Truppe sogar ihren Ziegelbedarf zu diesen Bauten selbst brannte und mit dem ent­sprechenden Stempel versah, ist heute zum wichtigen Funde und Nachweis für die römische Militärgeschichte geworden. 45

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