Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Neue Folge, 1889)
Hauptmann Kulnigg: Die Römer im Gebiete der heutigen österreichisch-ungarischen Monarchie. Erläuterungen zu einer Uebersichtskarte
286 K u 1 n i g g. Die eigentliche römische Armee, die Legionen, ergänzten sich durchwegs aus den römischen Bürgern der Provinzen, während in der besprochenen Zeit die Italer höchstens noch in der Garde dienten; die Auxiliar-Truppen, in Alen und Cohorten (von 500 bis 1000 Mann) getheilt, wurden den einzelnen Legionen zugetheilt und dienten nach der Sitte und einheimischen Bewaffnungsweise unter römischem Commando. Das Latein blieb das gemeinschaftliche Verständigungsmittel. Die Kosten für die Armee fanden nach Bevölkerungszahl und Besitz eine weise Vertheilung. Die reichen asiatischen Provinzen wurden finanziell sehr stark ins Mitleid gezogen, stellten aber fast keine Truppen, desto mehr Noricum, Dacien und Pannonien, deren kräftige und kampfesmuthige Völker ein treffliches Soldatenmaterial lieferten. Auch Rhätien und Vindelicien stellten weniger Soldaten als Dacien und Pannonien. Diese Verhältnisse trugen wesentlich auch zur Romanisirung bei; die Soldaten wurden während ihrer Dienstzeit, welche für Legionäre 20, für Auxiliarii 25 Jahre dauerte, mit römischer Sitte gründlich vertraut und der lange festgehaltene Grundsatz der römischen Heeresverwaltung, die Soldaten nie in ihrer Heimatb, sondern weit ab von selber zu verwenden, förderten dies noch mehr. Noriker und Rhätier standen in Aegypten, Syrien, Spanien; nach allen Weltgegenden wurden diese norischen und pannonischen Soldaten entsendet. Da fällt einer im Kampfe gegen die Parther und seine Frau lässt ihm einen Denkstein in Carnuntum setzen; ein Officier, aus dieser Stadt daheim, errichtet hinwieder in zwei africanischen Garnisonen Votivsteine für eine in seiner Heimath besonders verehrte Gottheit; pannonische Reiter garnisoniren in den Provinzen Africa und Aegypten, eine pannonische Cohorte in Britannien, Noriker ziehen als Leibwache des Septimius Severus in Rom ein, Lanzenträger aus Sabaria (Steinamanger) dienen unter den römischen Adlern in Gallien. Damit war ein mächtig wirkendes Bildungsmittel geboten und verwandte Erscheinungen sind den älteren Mitgliedern des k. k. Heeres noch wohl in Erinnerung. Dass der Sohn der norischen Alpen, nach langen Märschen durch die verschiedenartigsten Länder etwa nach Syrien oder Spanien gelangt, sich den vielseitigen Eindrücken und Erlebnissen in der sich ihm neu eröffnenden Welt nicht entziehen konnte, war natür46