Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Neue Folge, 1889)

Hauptmann Kulnigg: Die Römer im Gebiete der heutigen österreichisch-ungarischen Monarchie. Erläuterungen zu einer Uebersichtskarte

Die Römer im Gebiete der heutigen österr.-Ungar. Monarchie. 283 ist der Strassenkörper gegen die Mitte zu erhöht, um den Wasser­abfluss zu bewirken. Die durchschnittliche Breite war 6 m, das Gefälle stärker als bei den heutigen Kunststrassen. Die Hand- und Spann-Arbeiten verursachten dem Staate so wenig Kosten als das nöthige Material und Land. Nicht nur die Landeseinwohner wurden zur Arbeit herangezogen, den besten Theil derselben leisteten die Legionssoldaten selbst. Wenn eine Strasse ausgebessert werden musste, so geschah dies auf kaiserlichen Befehl oder im Namen des Kaisers, wie dies viele noch vorhandene Inschriften auf Meilensteinen anzeigen. Die eigentlichen Militär-Strassen, die grossen Strassenlinien, welche ursprünglich von Rom (von der goldenen Meilensäule) aus­gehend, am Meere, an grossen Flüssen, in grossen Orten oder in anderen Hauptstrassen endeten und deren Erbauung und Unter­haltung auf kaiserlichen Befehl durch angestellte Beamte geschah, zeichneten sich von den gewöhnlichen Verkehrsstrassen durch grössere Dimensionen und festere Bauart aus. Der römische Schritt (passus) zu 5 römischen Fuss war das Normalmass; 1000 Schritte — 1 römische Meile (milia passuum, in späterer Zeit auch miliarium) — 1478'7 m; manchmal rechnete man auch noch nach dem griechischen Stadium (125 römische Schritte, 8 Stadien sonach eine Meile). Jede römische Meile wurde durch einen Meilenstein (miliarium) bezeichnet. Auf diesen Steinen war der Abstand von den Hauptorten, welche durch die Strassen verbunden waren, angegeben und ge­wöhnlich enthielten sie auch noch die Angabe, von welchem Kaiser die Strasse gebaut oder wiederhergestellt worden war. Zur schnelleren Besorgung der kaiserlichen Befehle und Be­förderung der im Dienste reisenden Militärs und Beamten, sowie zur Unterbringung, Verpflegung und zum Transporte der marschi- renden Truppen waren seit Augustus längs der Heerstrassen die nöthigen Vorkehrungen getroffen: Mutationes (Orte, wo Pferde gewechselt wurden), Mansiones (Herbergen, Marsch- oder Etapen- Stationen), wo die marschirenden Truppen-Transporte und Reisenden übernachteten. Daselbst befanden sich Zug- und Reittbiere in Bereitschaft, ebenso Magazine mit Verpflegsmitteln. Die Kosten 43

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