Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Neue Folge, 1889)
Hauptmann Kulnigg: Die Römer im Gebiete der heutigen österreichisch-ungarischen Monarchie. Erläuterungen zu einer Uebersichtskarte
282 K u 1 n i g g. Die römischen Strassen waren nach einem bestimmten Systeme angelegt, mit einem Ueberflusse an Material gebaut. Ihre Trace zeigt meist, dass in erster Linie der Kriegszweck zur Geltung kam und die Verwerthung als Handelsverbindungen sich dem unterordnen musste. Die planmässige Anlage zeigt die Tabula Theodosiana, in dem IV. Jahrhundert christlicher Zeitrechnung entworfen, und verschiedene Itinerarien, Reisebeschreibungen. Man liess sich beim Baue der Strassen weit weniger als man denken sollte, durch Bodenschwierigkeiten beeinflussen; Berge wurden durchstochen, Abgründe mit kühnen Bogenspannungen überbrückt. Als Unterbau diente eine zwei- bis dreifache Lage von Quadern, der Oberbau wurde aus Steinschutt und Sand gebildet. Zu beiden Seiten waren Gräben und in der Entfernung von je 1000 Doppelschritten war ein Meilenstein angebracht; auf Strecken, in denen die Orte weit auseinander lagen, waren sogar als Zwischenrast Herbergen errichtet. Weder von Entschädigungskosten abhängig, noch die mercan- tilen Interessen besonders beachtend, die sich ohnehin von selbst den angebotenen Verbindungen schmiegten, wählten die Römer beim Baue einer Strasse zwischen zwei Orten thunlichst die kürzeste Richtung. Die Thalsohle wurde meist vermieden und die Strassen zogen längs den Berglehnen, wohl um zum Kampf rasch die eine Thalhöbe gewinnen zu können und vielleicht auch, um in dem waldigen und nassen Thalboden endlosen Ueberbrückungen und Wasserbauten auszuweichen. In der Ebene wurden die Strassen meist dammartig, bis zu 4 m sich erhebend, gebaut. Wegen dieser Erhöhungen werden sie von den römischen Schriftstellern auch oft blos Dämme (aggeres) genannt und es wird ausdrücklich bemerkt, dass man ihnen diese Gestalt gab, theils um sie bei jedem Witterungswechsel trocken zu erhalten, theils um eine freiere Aussicht von ihnen zu haben, besonders aber, um von einem höheren Standpuncte den andringenden Feind besser bekämpfen zu können und den Soldaten als Wall und Schutzwebr zu dienen. In diese Erddämme ist der Steingrundbau, in einzelnen Lagen mit Kalk und Mörtel in sich verbunden, eingefügt. Wo es keine Steine gab, wurde der Damm aus plaka- girter Erde mit Schotterlagen als Oberbau hergestellt. Ueberall aber 42