Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Neue Folge, 1889)

Hauptmann Kulnigg: Die Römer im Gebiete der heutigen österreichisch-ungarischen Monarchie. Erläuterungen zu einer Uebersichtskarte

262 Kuln g g. und zwar auf dem steil abfallenden Vorsprunge desselben, stand Ripa alta (bei Szegszárd), die nördlich davon gelegene Ebene von Tolna weithin beherrschend. Dann folgt ein zweites Ad statuas (nahe Szegszárd) und Lugio (Báttaszék). Beide Puncte sind nach dem Itinerare schwer festzustellen, da die Distanzen nicht überein­stimmen mit denen der dermaligen Orte; allein die Terrainge­staltung lässt bei dem von den Römern verfolgten Systeme immer­hin ziemlich bestimmte Annahmen gewinnen. Lugio (Báttaszék) beherrschte mit Altinum (Mohács) und einem nicht genau zu bestimmenden Mittelposten das Défilé, welches durch die an die Donau herantretenden Berge gebildet wird. Mursa major (Esseg), eine bedeutende Festung in der Grösse von Aquincum und Carnuntum, war einer der wichtigsten Puncte an der ganzen Linie und bildete mit Mursa minor (Petrievci), Ad labores (Nemetin) und Ad labores pontis Ulcae (wahrscheinlich ein befestigter Brückenkopf bei Vera), für sich eine Vertheidigungs- gruppe. Ueberdies war die ganze Linie Aquincum—Mursa durch die Donau-Flottille geschützt. Eine Station derselben kann für die ältere Zeit indessen nicht namhaft gemacht werden. Von Mursa zog die Donau-Uferstrasse durchwegs am rechten Ufer meist an der Stelle der heutigen Strasse und verband eine Reihe von Orten, welche indessen schwerlich anderes als offene An­siedelungen gewesen sein dürften. Ebenso bestand eine Verbindung der Drau-Strasse Mursa—Poetovio über das Vuka-Gebirge mit der Save-Linie, mit den Zwischenpuncten Stravianis (Nasiö) und Incero (Pozega). Eine zweite ward bei Aqua viva (Petrijanec) über Pyrri (Hrastje) und Andantonia (Scitarjevo) hergestellt. An den wichtig­sten Stellen, sowie beim Uebergange über die Drau bei Ramista (Sauritsch) und bei Jovia II. (Hrastovsko), in der Nähe von Lud- breg, waren Befestigungen errichtet. Jazygisclie Stromstrecke. Die Stromstrecke vom Ofner- Gebirge abwärts war, wie erwähnt, im oberen Theile ziemlich stark befestigt und entsprechend gesichert, im weiteren Verlaufe gegen Mursa, zur Einmündung der Drau, hielt man die Donau-Linie für weniger gefährdet, da einerseits die vielfachen Krümmungen und Gabelungen des Stromes, dann die Versumpfungen den Uebergang 22

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