Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Neue Folge, 1889)
Hauptmann Kulnigg: Die Römer im Gebiete der heutigen österreichisch-ungarischen Monarchie. Erläuterungen zu einer Uebersichtskarte
Die Körner im Gebiete der heutigen österr.-Ungar. Monarchie. 263 erschwerten und andererseits von oberhalb der Drau-Mündung der Trajans-Wall zum Schutze des südlichen Theiles vorgelagert war. Im weiteren Laufe der Donau wurde nun mit Rücksicht auf die vielfachen Windungen der Schwerpunct der Befestigungen nicht an den Strom, sondern weiter nach rückwärts verlegt. Das Save-Thal gegen die Mündung dieses Flusses hin wurde als von grösster Bedeutung für die Yertheidigung gegen Osten betrachtet. Hier wurde daher die Festung Sirmium mit bedeutenden Nebenwerken angelegt. Von den Römern bald nach der Occupation erbaut, spielte selbe sowohl bei der Eroberung von Mösien, als auch in der grossen pannonischen Revolution eine hervorragende Rolle; von ihr hing in allen folgenden Kriegen die Verbindung des mittleren mit den unteren Donau-Ländern und mit Dacien, zum grossen Theile auch die Vertheidigung der Balkan-Halbinsel ab, sie hatte hier dieselbe Bedeutung wie Aquileja für die Sicherung Italiens. Der Platz war ein Basispunct für alle Unternehmungen der Römer an der unteren Donau, und welch’ grosse Bedeutung man selbem in jeder Beziehung beilegte, beweist auch der Umstand, dass im Laufe des dritten und vierten Jahrhunderts fast beständig daselbst das Hauptquartier der römischen Kaiser stand. Trotz dieser Bedeutung und Grösse finden sich keine umfangreicheren Ruinen mehr daselbst, nur noch einzelne Reste von Umwallungen und gepflasterten Wegen existiren. Gegen Osten hin wurde das Thal geschlossen durch Anlage eines noch sichtbaren Walles und Grabens. Im Norden war dieser Wall durch ein befestigtes Lager verstärkt; an dessen Stelle entstand später Bassianis (Petrovce). Die Verbindung mit Taurunum (Sémiin), welches am Einflüsse der Save in die Donau lag, ward durch eine Strasse mit zwei befestigten Puncten hergestellt. Durch diese Befestigungsanlagen wäre der Feind gezwungen gewesen, den Weg nach Sirmium mit der Eroberung von Bassianis zu erkaufen. Im Norden, den Einbruchs-Stellen der Jazygier gegenüber, war die Donau durch acht befestigte Puncte geschützt, welche hart an den Abhängen der Truska gora angelegt waren: Teuti- burgium (Dálya), Cornacum (bei Sotin), Cucci (bei Ilok), Bonon ia (bei Bonostor), Cusi (Petervardein), Acimincum (Alt-Slankamen) gegenüber der Theiss-Mündung und Taurunum (Sémiin), nahe der Save-Mündung. 23