Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Neue Folge, 1889)

Die Heere des Kaisers und der französischen Revolution im Beginn des Jahres 1792. Als Einleitung zur Schilderung der Kriege Oesterreichs gegen die französische Revolution. Mit Benützung der Vorstudien zu dem in Bearbeitung befindlichen historischen Werke über Erzherzog Carl von Oberstlieutenant M. E. von Angeli

HO Ke Heere des Kaisers und der französischen Revolution 1792. danken an das Vaterland versöhnte man die besseren Elemente mit der Revolution, Hess sie das wüste Jacobinerthum vergessen, ereiferte sie für die Sache und umgab das Ganze für Alle mit dem Zauber einer grossen, edlen und einigenden Idee. Wer aber all diesen blendenden Bildern widerstand, wer sie mit hellerem Blicke durchschaute oder in der Treue des Herzens verabscheute, den vermochte endlich, als letzter Ausweg, die Guillotine auch — zu beseitigen. Mit diesem in seinen Grundtiefen aufgewühlten Volke hatte aber die Revolution auch ihr festes und klares Ziel: den euro­päischen Umsturz, die Zertrümmerung des ganzen Autoritätsprin- cipes, den Kampf aufs Messer gegen Thron und Altar. Aber so kosmopolitisch war die Revolution doch auch nicht, dass sie ihr speeifisch französisches Wesen hätte ablegen können oder mögen. So tritt denn auch in der Art der Einleitung des Krieges in mili­tärisch - politischer Beziehung deutlich genug die alte französische Tendenz der Gewinnung des Rheines zu Tage. Der Angriff richtet sich auf die österreichischen Niederlande, auf die Pfalz und die Bisthümer, im Eisass genügt zunächst eine Abwehr, denn diese Strecke ist Frankreich sicher, im Süden muss man vorerst damit zufrieden sein, sich mit Savoyen eine Eingangspforte nach Italien zu öffnen. Mächtig hatten die geheimen Gesellschaften vorgearbeitet, der Einfluss ihrer Angehörigen hatte die monarchischen Re­gierungen von Fehltritt zu Fehltritt geführt, sie compromittirt und geschädigt; der Brennstoff lag aufgehäuft in Italien, am Rhein, wie in den österreichischen Niederlanden, in denen es in der Zeit Joseph II. einem Einflüsse, der nicht mit Sicherheit zu bezeichnen, wohl aber unschwer zu errathen ist, gelungen war, durch ver­fehlte Regierungsmassregeln die Unzufriedenheit allgemein, die Regierung verhasst und sie durch Schwächung der Garnisonen, Auflassung oder Verwahrlosung der Festungen gleichzeitig ohn­mächtig zu machen. Dem so lange vorbereiteten und erkennbaren revolutionären Sturm, der, von eisernem Willen getragen, alles Bestehende in Frage stellen musste, standen die zunächst betroffenen monarchi­schen Staaten vollkommen rathlos gegenüber. Mit den Lehren,

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