Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Neue Folge, 1889)
Die Heere des Kaisers und der französischen Revolution im Beginn des Jahres 1792. Als Einleitung zur Schilderung der Kriege Oesterreichs gegen die französische Revolution. Mit Benützung der Vorstudien zu dem in Bearbeitung befindlichen historischen Werke über Erzherzog Carl von Oberstlieutenant M. E. von Angeli
Die Heere des Kaisers und der französischen Revolution 1792. Hl welche jetzt in Frankreich in steigender Wildheit blutige Verkündigung fanden, hatte man im philosophischen Europa längst getändelt und gespielt, man hatte sich in den Aufklärungsträumen so wohl befunden und vor Allem sich darüber von der öffentlichen Meinung so gefeiert und gelobt gesehen, dass es begreiflich war, wenn die Regierungen und die Völker einiger Zeit und böser Erfahrungen bedurften, bis sie sich von der Bestürzung über das plötzliche Licht, das ihnen aufgegangen, und über die furchtbare Enttäuschung zu erholen vermochten. Vorläufig aber dachte und glaubte man nicht an so weitgehenden Ernst, es schien zunächst hinreichend, Ungehörigkeiten an der Grenze zu verhindern, Freibeuterzüge zu vereiteln und, wenn es eben nicht anders sein konnte, eine Executions-Armee nach Paris zu senden, um da die verschiedenen Auswüchse, welche doch allmählig die Grenzen jener gern gehegten philosophischen Aufklärung zu überschreiten schienen, wieder in Ordnung zu bringen. Dabei blieb es immer wünschens- werth für jeden Theilnehmer an dieser Execution, den grösseren Theil der Last thunlichst den anderen zuzuwenden. Die Truppen waren durchaus zuverlässig, eine willige, todte Maschine. Man war überzeugt, dass mit Disciplin und energischem Befehl überhaupt Alles gehe. Im Herzen und in der Seele des Heeres hatte nichts vorzugehen, man hatte nur zu gehorchen, eine grosse Idee, ein einheitlicher Impuls, der sogar noch über den Gedanken der gewöhnlichen Disciplin hinausging, war nach Ansicht der massgebenden Personen kein Erforderniss des Krieges. Auch hier war herbe Täuschung. Der Wille besiegte die Schwäche, das Zielbewusstsein die Planlosigkeit, die zündenden und flammenden Ideen des Umsturzes warfen ein Gebäude nieder, in dem nur noch die Form bestand, der erhabene und welterhaltende Gedanke der echten Autorität aber verschwunden und untergegangen war in todtem bureau- kratischem Schablonenwesen und in einem Absolutismus des Regimes, der weder mit dem historischen Rechte, noch mit dem Be- dürfniss des Volks, noch aber selbst nur mit seinem eigenen wirklichen Vortheil harmonirte. Der Leidenschaft eines Volkes, das schliesslich aber doch auch zum tüchtigen Heere wurde, war aber eben so wenig die