Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (Neue Folge, 1889)

Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegs-Schauplätzen der Monarchie). III. Theil (Fortsetzung): Der südöstliche Kriegsschauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien

Feldzug 1706. 203 herrschen, während das Gros der Insurgenten unter Rákóczi am rechten Ufer des Granflusses lagerte. Von hier aus wurde am 29. Juli der Ohrist Stary abgesendet, um mit einem Detachement die Donau unterhalb Gran zu überschreiten und durch Besetzung des »Eselsberges« die Einschliessung des Platzes zu vollenden. Am 6. August eröffneten die Angreifer die Laufgräben auf dem linken Donauufer vom Istenhegy gegen die Nordfront der Wasserstadt und auf dem rechten Ufer vom Thomasberge gegen das Post- und Festungsthor. Drei Tage später begannen die Geschütze und Mörser der Belagerer ein so heftiges Feuer gegen das Schloss und die Stadt, dass sich in der Nordstrecke der Wasserstadt schon am 11. August eine ansehnliche Bresche bildete. Ein am 10. August unter­nommener Versuch der Angreifer, das Rundell an der Westseite der Wasserstadt in ihren Besitz zu bringen, war zwar vollständig miss­lungen, aber am 12. Morgens stürmten dessenungeachtet 4000 Insur­genten unter Obrist Roth den sogenannten »Katzensteig« an der Ost­front des Schlosses. Hauptmann Pistori vertheidigte die ganz zer­schossene Mauer mit solcher Hartnäckigkeit, dass die Angreifer sich erst nach einem Verluste von 1000 Mann derselben bemächtigen konnten. Sie drangen nun in die Wasserstadt ein, erschlugen einen Theil der Einwohner und brannten die ganze Stadt nieder. Die Belagerer richteten ihre Angriffe jetzt gegen das Schloss, in dessen nördliche Mauer bis 15. August eine weite Bresche geschossen wurde. Ein Sturm der Insurgenten am 21. August wurde von den Kaiserlichen aber glänzend abgeschlagen und nicht besser endete ein Versuch der Angreifer am nächsten Tage, sich vom Katzen­steige aus auf der Bresche festzusetzen. Da GFWM. Ivuckländer die entstandene Bresche inzwischen durch einen Abschnitt hatte versperren lassen, musste Rákóczi Mineure in Thätigkeit setzen. Nachdem französische Ingenieure die Minenarbeiten leiteten, machten dieselben so rasche Fortschritte, dass Rákóczi den Platz am 5. September zur Uebergabe auffordern lassen konnte. Kuckländer verweigerte diese und in der folgenden Nacht gelang es einem kaiserlichen Fähnrich, die feindlichen Mineure zu überraschen, zu vertreiben und die bereits vollendete Mine zu entladen. Als aber der Gegner in einem mit grosser Uebermacht unternommenen An­griffe sich des Mineneinganges wieder bemächtigte, sah sich GFWM. Kuckländer genöthigt, am 8. September gegen freien Abzug zu

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