Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (Neue Folge, 1889)
Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegs-Schauplätzen der Monarchie). III. Theil (Fortsetzung): Der südöstliche Kriegsschauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien
204 Die Kákóczi’schen Unruhen. Wolfs. Oedenburf Nagy-Magyar capituliren. Rákóczi liess die Festung durch 2000 Mann auserlesener Truppen besetzen und ernannte den Obristen de Bonafoux zu ihrem Commandanten. Während der Belagerung von Gran versuchten die Kuruczen auch die March dreimal zu forciren, wurden aber durch GFWM. Montecuccoli jedesmal zurückgetrieben. Im Süden der Donau vereinigte sich Anton Esterházy im August mit Bezerédy und griff sodann die Versclianzungen der Kaiserlichen zwischen Wolfs und Oedenburg an. Da diese nur von 150 Mann besetzt waren, so fielen die Flügel-Redouten nach kurzem Widerstande in die Hände der Insurgenten, aber in der letzten Schanze vertheidigte sich ein Hauptmann mit 40 Mann auf das hartnäckigste und räumte seinen Posten erst dann, als ihm ehrenvoller Abzug zugestanden worden war. FML. Max Starhemberg musste sein schwaches Corps hierauf bis unter die Kanonen von Oedenburg ziehen, weshalb die Kuruczen die Verschanzungen bei Forchtenau übersteigen und Nieder-Oesterreich bis gegen Baden hin in Schrecken setzen konnten. Erst das Erscheinen Rabutin’s an der Zagyva, im nördlichen Ungarn, unterbrach den an den Grenzen der Erbländer entbrannten Kampf. Um die an der unteren March stehenden Insurgentenbanden von Einfällen in Nieder-Oesterreich abzuhalten, wollte FM. Graf Starhemberg die an der unteren Leitha vereinigten Theile seines Corps bei Pressburg über die Donau führen und auf der Insel Schütt eine Position beziehen. Da in den Verschanzungen bei Bischdorf und Nagy-Magyar noch starke feindliche Abtheilungen standen, deren Widerstand vor Allem gebrochen werden musste, sandte Starhemberg in der Nacht auf den 4. September seine Vorhut unter dem G. d. C. Grafen Pálffy bei Pressburg über den Strom. Um 10 Uhr Vormittags erschien Pálffy, der zu beiden Seiten des Neuhäusler Donauarmes vorgerückt war, vor den Befestigungen, •.welche die Brücke nördlich von Nagy-Magyar decken sollten. Die Schanzen wurden im ersten Anlaufe genommen und die Ver- theidiger, welche 500 Mann eingebüsst hatten, vollständig zersprengt. Die Kaiserlichen verloren in diesem Gefechte an Todten und Verwundeten nur zwölf Mann. Am Abende rückte Pálffy in das Lager, welches Starhemberg mittlerweile bei Pressburg bezogen hatte. Der Feldmarschall verstärkte hier sein Corps bis auf 13.500 Mann, davon 7000 Reiter, und trat am 10. September den Vormarsch