Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (Neue Folge, 1889)
Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegs-Schauplätzen der Monarchie). III. Theil (Fortsetzung): Der südöstliche Kriegsschauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien
202 Die Rákóczi’schen Unruhen. Gran. gegen Süden auf. Der Gegner wurde vollständig überrascht und zuerst aus dem Dorfe und hierauf aus dem benachbarten Walde vertrieben. Die Kuruczen, die in regelloser Flucht Rettung suchten, verloren in dem kurzen Kampfe bei 500 Mann und Csáky sah sich veranlasst, über die Maros zurückzugehen. Die Verhandlungen, welche während des Waffenstillstandes unter Vermittlung der Seemächte geführt wurden, scheiterten abermals an den hochgespannten Forderungen der Insurgenten. Ende Juli erreichten dieselben ihr Ende und von beiden Seiten wurden die Vorbereitungen zu der Wiedereröffnung der Feindseligkeiten mit grossem Eifer getroffen. FM. Guido Graf Starhemberg übernahm das Obercommando der Truppen in Ungarn mit der Aufgabe, die Erbländer thunlichstzu sichern und längs der Donau gegen dielnsurgenten zu operiren, während Rabutin mit seinem Corps über Grosswardein nach Szolnok zu marschiren hatte. Die kaiserlichen Streitkräfte in Ungarn erhielten Verstärkungen, die Grenze von Steyermark wurde durch Tschardaken gesichert und zwischen Forchtenstein und dem Neusiedler-See eine Linie von Verschanzungen angelegt, um die Gegend von dem See bis zur Grenze Nieder-Oesterreichs zu decken. Vom Nordende des Sees bis Petronell an der Donau und weiter längs der March tracirte Obrist Peroni eine »Linie«, welche Mitte Juli bereits bis Angern vollendet war. Im Allgemeinen schritten aber die Kriegsvorbereitungen auf kaiserlicher Seite nur langsam vorwärts und Starhemberg stiess mit seinen Vorschlägen auf solche Hindernisse, dass die Insurgenten die Feindseligkeiten weit früher als die Kaiserlichen aufnehmen konnten. Der Waffenstillstand war noch nicht zu Ende, und schon standen bei Neuhäusel 14.000 Kuruczen mit 40 schweren Geschützen bereit, mit welchen Gran belagert werden sollte. Die Besatzung dieses Platzes unter dem GFWM. Kuckländer bestand aus 459 Mann, entbehrte aber der Ingenieure und der nothwendigen Anzahl von Büchsenmeistern und litt überdies Mangel an Feuergewehren und Munition. Um Gran auf beiden Donauufern angreifen zu können, liess Rákóczi eine Wegstunde oberhalb der Festung, zwischen Neudorf und Karva, eine Flossbrücke hersteilen und diese durch einen doppelten Brückenkopf sichern. Am 27. Juli passirte Graf Forgách mit 3000 Mann Fussvolk und einem Theile der Reiterei den Strom und besetzte die Höhen, welche Gran im Westen und Süden be-