Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (Neue Folge, 1889)

Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegs-Schauplätzen der Monarchie). III. Theil (Fortsetzung): Der südöstliche Kriegsschauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien

130 Der zweite Krieg Kaiser Leopold I. gegen die Türken 1683—1699. Semendria. Belgrad. den Angreifern mehr als 1000 Mann. Als aber nach dem Ab­märsche der Hauptarmee jede Hoffnung auf einen Entsatz ver­schwunden war, handelte Starhemberg nach dem erhaltenen Befehle und capitulirte, gegen freien Abzug nach Belgrad, nach 24tägiger Vertheidigung am 8. September. Der Grosswesir erstürmte hierauf Semendria am 24. September und setzte sich von dort gegen Belgrad in Marsch. Da FML. Graf Aspremont, der anfänglich an eine Belagerung gar nicht hatte glauben wollen, sich bald als ungeeignet zur Vertheidigung eines so wichtigen Platzes erwies, wurde der FM. Herzog von Croy eilig nach Belgrad gesendet um das Commando der Festung zu übernehmen. Am 1. October erschien die feindliche Hauptarmee vor Belgrad und FML. Aspremont zog seine Truppen aus den Vorstädten, welche er anzünden Hess, in das Innere der Festung zurück. Ein Angriff der Türken auf die Aussen werke am 2. October blieb zwar ohne Erfolg und kostete ihnen beträchtliche Opfer, ein zweiter Sturm aber am 4. October führte den Verlust der Aussen- werke herbei und setzte den Grosswesir in die Lage, drei Angriffe gegen die Hauptumwallung unternehmen zu können. Am 7. October waren die Türken dem Festungsgraben bereits so nahe, dass man sich gegenseitig mit Granaten und Steinen bewarf, und in der folgenden Nacht mussten die Kaiserlichen die vollständig unhaltbar gewordenen Redouten in der Wasserstadt räumen. Der Herzog von Croy hatte eben am 8. October das Commando übernommen, als eine türkische Bombe in den sogenannten Bleithurm des Schlosses schlug und ihn in Brand steckte. Das Feuer wurde bald gelöscht und Croy und Aspremont hatten sich wieder in das Commandanten- liaus begeben, als rasch hintereinander drei furchtbare Detonationen die Erde erbeben und das Gebäude wanken machten, so dass beide Generale durch das Fenster auf die Strasse sprangen, in welcher Bomben, Felsen und Mauertrümmer niederstürzten. Alle drei Pulvermagazine im Schlosse und das Laboratorium in der W asserstadt waren in die Luft geflogen; die ungeheure Explosion hatte eine vernichtende Wirkung für die Besatzung, welche ausser­ordentliche Verluste erlitt, und von der Hauptumwallung waren lange Stücke mit allen Geschützen in den Graben geschleudert. Mit wenigen Soldaten retteten sich Croy, Aspremont und der Obrist Graf Archinto nach Esseg, während die Türken die Trümmer-

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