Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (Neue Folge, 1889)
Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegs-Schauplätzen der Monarchie). III. Theil (Fortsetzung): Der südöstliche Kriegsschauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien
Feldzug 1690. 131 stätte von Belgrad in Besitz nahmen und die darin noch zurückgebliebenen Kaiserlichen niedermachten. Die Katastrophe von Belgrad erregte in W ien eine um so grössere Bestürzung, als in Ungarn keine Armee und keine hinlänglich armirte Festung vorhanden war, durch welche die Fortschritte des Grosswesirs hätten aufgehalten werden können. In dieser Verlegenheit wurde dem Markgrafen von Baden der Befehl ertheilt, den mit einer Armee in der Moldau stehenden polnischen Kronfeldherrn Jablonowski nach Siebenbürgen zu rufen, sich selbst aber dem gegen Esseg marschirenden Grosswesir in den Weg zu stellen. Glücklicherweise ermöglichten cs die weiteren Ereignisse des unglücklichen Jahres 1690, dass dieser Befehl unbefolgt bleiben durfte. Während dieser Begebenheiten hatte der Markgraf den durch die Nähe überlegener feindlicher Heere gefährdeten Marsch nach Siebenbürgen angetreten. Er brach am 28. August von' Jagodina auf und marschirte längs der Morava nach Semendria, wo er die Donau auf einer Schiffbrücke überschritt. In Karánsebes, wo er den GFWM. Heister an sich zog, erhielt er die Nachricht von dem Falle von Vidin, welche ihn bewog die Besatzung von Orsova zu verstärken und den Raizen-Oberhauptmann Antonio Valeri Zichy von Zvorich zu einem Einbrüche in die Walachei zu beordern. Thököly hatte mittlerweile viele Zeit vor Kronstadt verloren, ohne diesen, vom Obristlieutenant Guttenstein mit 800 Mann verteidigten Platz gewinnen zu können. Endlich zog er selbst gegen Fogaras ab, liess aber mehrere Tausend Mann zur Blockade von Kronstadt zurück. Als Thököly von dem Anmarsche des Markgrafen sichere Nachrichten erhielt, bezog er eine Stellung bei Mühlbach, durch welche er den GFWM. Castell, der in Hermannstadt die Reste des Heissler’schen Corps gesammelt hatte, abschnitt. Der Markgraf passirte am 19. September das eiserne Thor, schlug am 21. bei Hátszeg den Tliököly’schen Obristen Petróczy und rückte über Broos (Szászváros) gegen Mühlbach. Obwohl den Kaiserlichen an Streitkräften mehr als dreifach überlegen, wich Thököly dennoch bei der Annäherung des Markgrafen bis Médiások zurück, wodurch der Feldmarschall den Weg nach Hermannstadt, in das er am 3. October einzog, frei erhielt. Nach einer Rast von vier Tagen Hátszeg.