Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (Neue Folge, 1889)
Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegs-Schauplätzen der Monarchie). III. Theil (Fortsetzung): Der südöstliche Kriegsschauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien
110 Der zweite Krieg’ Kaiser Leopold I. gegen die Türken 1G83—1699. weissenburg, Kanizsa, Szigetvár und Grosswardein sollten während dieser Operationen enge blockirt bleiben. Bei der Besetzung der Befehlshaberstellen zeigten sieh die gewöhnlichen Schwierigkeiten. Leopold I. wünschte den erprobten Herzog Carl von Lothringen im Ober-Commando zu erhalten, während Kurfürst Max Emanuel von Bayern die Beistellung seines Truppen-Contingents davon abhängig machte, dass ihm selbst der Oberbefehl übertragen werde. Max Emanuel wurde in seinen Ansprüchen durch die beiden Markgrafen Hermann und Ludwig von Baden unterstützt. Auf die Mitwirkung der vorzüglichen bayrischen Truppen war in der bevorstehenden Campagne unmöglich zu verzichten. Carl von Lothringen war am 11. Mai in Wien angekommen um noch an den letzten Berathungen Tlieil zu nehmen und sich dann zur Armee zu begeben. Er erkrankte aber bald nach seiner Ankunft in so bedenklicher Weise, dass an eine Uebernahme des Ober-Commandos nicht mehr zu denken war und Leopold I. konnte nun die Wünsche des Kurfürsten von Bayern erfüllen. Der Monarch fand es aber für gut der bayrischen Partei an seinem eigenen Hofe den Führer zu nehmen, indem er den Markgrafen Hermann von Baden, gewiss nicht zum Schaden des kaiserlichen Heeres, vom Präsidium des Hofkriegsraths enthob und als kaiserlichen Principal- Commissär an den Reichstag von Regensburg sandte. Die Leitung des Hofkriegsrathes übernahm nun der ruhmgekrönte Vertheidiger Wiens Feldmarschall Ernst Rüdiger Graf Starhemberg. Caprara sollte mittlerweile die Hauptarmee bei Esseg sammeln und daselbst das Eintreffen des Kurfürsten abwarten. Noch bevor er selbst dort eintraf, ergab sich Stuhlweissenburg an den Grafen Adam Batthyányi und den Obristen Arayzaga am 19. Mai; aber von den Truppen der Operations-Armee fanden sich noch im Juni, als Caprara im Lager ankam, kaum 12.000 Mann beisammen. In Vukovár, wohin sich Caprara am 28. Juni begab, erfuhr er, dass der vom neuen Grosswesir Mustafa zum Seraskier ernannte Hassan Pascha mit 15.000 Mann bei Belgrad, ein zweites türkisches Corps mit 11.000 Mann bei Sabac, der Pascha von Bosnien mit 9000 Mann bei Banjaluka und ein Detachement von 4000 Mann bei Brod an der Save stehe, sowie, dass in Belgrad an der Herstellung eines verschanzten Lagers gearbeitet werde. Ungeachtet