Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (Neue Folge, 1889)
Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegs-Schauplätzen der Monarchie). III. Theil (Fortsetzung): Der südöstliche Kriegsschauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien
gelehnt. 30.000 Mann Infanterie und 20.000 Reiter standen mit 34 Bataillonen und 79 Escadronen im ersten, 13 Bataillone und 63 Escadronen im zweiten Treffen; die Kaiserlichen hatten den rechten, die Bayern den linken Flügel. Der Grosswesir Suleiman führte etwa 60.000 Mann in den Kampf. Da das Terrain vor der Front Lothringens mit Gebüsch bedeckt und der Entwicklung einer Schlachtlinie und der freien Umsicht hinderlich war, suchte er durch einen Rechtsabmarsch über die Lehne des Berges Harsány die freie Ebene von Siklós zu erreichen. Die Truppen des rechten Flügels vermochten diesen Marsch noch auszuführen, ohne dabei vom Feinde belästigt zu werden. Als aber der Kurfürst von Bayern gleichfalls nachfolgte und eben im Begriffe war, den Hohlweg, der ihn von Lothringen trennte, zu passiren, wurde er von den Türken mit solchem Ungestüm angegriffen, dass ihm kaum Zeit blieb, seine Treffen zu formiren und seine ganz unbeschützte linke Flanke mit einigen im Haken aufgestellten Bataillonen und Escadronen nothdürftig zu sichern. Während der Grosswesir eine Anhöhe vor dem linken Flügel des Kurfürsten mit Geschützen armirte, suchte ein türkisches Reiter-Corps von 8000 Mann das zweite bayrische Treffen im Rücken zu fassen, stiess aber hierbei schon auf kaiserliche Reiterei unter dem GFWM. Piccolomini, den der Herzog von Lothringen beim ersten Kanonenschüsse mit drei Regimentern dem linken Flügel zur Unterstützung gesendet hatte. Die Reiter Piccolomini’s hieben kräftig in die Türken ein und brachten sie, ungeachtet ihrer Uebermacht, zum Stehen; mit einer neuen Verstärkung gingen die Kaiserlichen nun auch zum Angriffe über. Die Türken wurden zum Weichen gebracht und gegen Mittag stand der linke Flügel der Verbündeten wieder an der Karasicza. Der Grosswesir suchte sich jetzt durch eine doppelte Reihe eilig aufgeworfene Feldschanzen zu schützen, während Lothringen das Defilé am Berge Harsány abermals passirte und sich mit dem Kurfürsten zum Gegenangriff wieder vereinigte. Die Reiterei beider Flügel setzte sich 'in Bewegung, stiess auf die Front der Türken; die Brigade des Prinzen Eugen von Savoyen drang bis zu den feindlichen Verschanzungen vor und hielt standhaft im Kreuzfeuer der türkischen Geschütze aus, bis Infanterie nachgekommen war und unter Jubelgeschrei zum Sturme vorging. Während Prinz Eugen mit seinen Dragonern von links, Rabutin von rechts in die