Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (Neue Folge, 1889)

Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegs-Schauplätzen der Monarchie). III. Theil (Fortsetzung): Der südöstliche Kriegsschauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien

92 Der zweite Krieg Kaiser Leopold I. gegen die Türken 1683—1699. Auf Seite der Kaiserlichen gingen drei Sturmcolonnen vor, von denen diesmal die mittlere aus ungarischen National truppen bestand. Die Truppen liefen mit ihrer gewohnten Tapferkeit durch den Graben gegen die zweite Bresche an, fanden diese aber fast uner- steiglich und von den Türken, die in Erwartung der Annähe­rung ihres Entsatzes mit grossem Muthe fochten, stark verbaut. Der in den Approchen commandirende Prinz von Pfalz-Neuburg, die Erfolglosigkeit des Sturmes erkennend, zog die Truppen, die schwere Verluste erlitten hatten, wieder in die Laufgräben zurück. Auch dem Kurfürsten von Bayern erging es auf der Schlossseite nicht besser. In den labyrinthartig verschlungenen Gängen und Räumen des Schlosses leisteten die Türken einen so verzweifelten Widerstand, dass die stürmenden bayerischen Soldaten bald zurück­genommen werden mussten. Am Abende des 7. August bezogen die Truppen der Belagerer die ihnen in Folge der Vollendung der Circumvallationslinie neu zugewiesenen Lagerplätze und der Herzog von Lothringen schlug nun sein Hauptquartier definitiv auf dem grossen Schwabenberge auf. Die Sicherungsarbeiten der Verbündeten waren eben noch rechtzeitig zum Abschlüsse gediehen, denn schon am 8. August zeigten sich die Spitzen des türkischen Entsatzheeres auf den Höhen bei Promontor. Am folgenden Tage rückte die Vorhut der feindlichen Armee bis gegen das Lager der Bayern vor. Die Volontärs und Husaren warfen sich den Türken ausserhalb der Circumvallationslinie entgegen und schlugen sich mit ihnen in einem mehrstündigen Scharmützel, in dem ein Pascha und viele Spaliis getödtet wurden. Am 10. August, bei Anbruch des Tages, fiel die, seit der Ankunft des Grosswesirs noch weit rühriger gewordene Besatzung auf der Schlossseite aus und brachte die Sachsen, welche den Dienst in den Approchen versahen, in Unordnung. Lothringen, der in den letzten Tagen 3000 Mann National­truppen unter Batthyányi und Petneházy an sich gezogen hatte, beschloss, sich durch eine Feldschlacht gegen den Grosswesir Luft zu machen. 8000 Mann unter dem FML. Mercy sollten in den Laufgräben verbleiben, die übrigen Truppen aber dem Feinde ent­gegengehen und sich der vortheilhaft gelegenen Höhen zwischen Promontor und Bia bemächtigen. Alles stand in Marschbereitschaft

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