Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 3. (Neue Folge, 1889)
Kriegs-Chronik Oesterreich-Ungarns. Militärischer Führer auf den Kriegs-Schauplätzen der Monarchie). III. Theil (Fortsetzung): Der südöstliche Kriegsschauplatz in den Ländern der ungarischen Krone, in Dalmatien und Bosnien
Feldzug 1686. 91 Pallisadirungen in Brand gesteckt und, nachdem ein Platzregen die Gluth derselben gelöscht hatte, gegen 4 Uhr Nachmittags die Signale zum Sturme gegeben. Die Kaiserlichen griffen das grosse Rundell und die zertrümmerte Courtine, die Brandenburger das dritte Bundeil an und auf der Wasserseite demonstrirten ungarische Nationaltruppen gegen die, durch die Explosion entstandene Bresche. Obwohl von der Besatzung dreimal zurückgeschlagen, liefen die Kaiserlichen noch ein viertesmal gegen die Bresche an und behaupteten sich endlich in einem mörderischen Handgemenge in deren Besitz. Die Kaiserlichen und Brandenburger hatten den errungenen Erfolg mit einem Verluste von 2300 Mann bezahlt. Während dieser Ereignisse im Norden der Festung bemächtigten sich die Bayern in einem kurzen, aber blutigen Kampfe der Trümmer des Schlossrundells und stürmten dann das untere Schlossthor. Durch die Schiessscharten in den Zwinger eindringend, eroberten sie 8 Kanonen und 2 Mörser; da aber der Zwinger vom Feinde unter Kreuzfeuer genommen werden konnte, liess ihn der Kurfürst, welcher bereits 700 Mann verloren hatte, wieder räumen. Die Mineurs der Kaiserlichen hatten inzwischen bis unter die dritte Mauer vorgearbeitet und am 30. Juli Hessen der Generalissimus und der Kurfürst den Pascha gemeinschaftlich zur Uebergabe von Ofen auffordern, erhielten jedoch wieder eine ablehnende Antwort. Am 1. August begannen die Kaiserlichen mit der Ausfüllung des Grabens vor der zweiten Mauer, während die Bayern einen fruchtlosen Versuch machten, sich an der neu entstandenen Bresche in der Zwingermauer festzusetzen. Die Armee des Grosswesirs kam indessen immer näher. Lothringen zog die detachirten Truppen an sich und begann den Bau einer Circumvallationslinie, die im Süden des bayerischen Lagers von der Donau abzweigte, sich über den Sattel zwischen dem Blocks- und Adlerberge, dann über einen Theil des Schwabenberges, quer durch das Thal von St. Paul und endlich über den Josephi- und Calvarienberg wieder bis an die Donau erstreckte. Als am 2. August die detachirt gewesenen Generale Caraffa und Heissler mit ihren Truppen im Lager eintrafen und die Kundschafter berichteten, dass der Grosswesir Suleiman 20.000 Mann gegen Stuhlweissenburg vorgeschoben habe, beschlossen Lothringen und der Kurfürst für den 3. August einen zweiten Generalsturm. 7*