Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 1. (Neue Folge, 1887)

Hauptmann R. Gerba: Zur Geschichte der Ereignisse in Bosnien und Montenegro 1853

Bosnien und Montenegro 1853. 91 Bei dem letzten Regierungswechsel und der Veränderung der Staatsform machte nun die Pforte ebenso unerwartet als nach­drücklich ihre Hoheitsrechte auf Montenegro geltend. Es mag indessen dahingestellt bleiben, ob dieser Umstand allein sie zu einem Kriege gegen das Gebirgsland bestimmt hätte, wenn nicht unerwartete Ereignisse in der Crnagora zufällig eine besonders günstig scheinende Gelegenheit zu einem kriegerischen Zuge gegen dieselbe geboten hätten. v Ueberfall von Zabljak. Während Danilo’s Abwesenheit in St. Petersburg hatte sein Stellvertreter Pero Petrovic einige Neuerungen, darunter eine Haussteuer einzuführen versucht, die vielfach Missmuth, nament­lich bei den, mit der eigentlichen Crnagora in einem minder engen Verhältniss gestandenen Nahien erregte. Diese Unzufriedenheit be­nützte Osman Pascha von Scutari, um namentlich die Nahia Piperi (Piperska), welche mit der Familie Petrovic verfeindet war, zum Ab­fall zu bewegen. Die Piperi empörten sich auch wirklich. Fürst Danilo, welcher im Juli die Rückreise von St. Petersburg ange­treten hatte und im August in Cetinje eintraf, sammelte am 20. November etwa tausend Bewaffnete aus der Katunska Nahia gegen die Piperi, welche nach ihrer rasch erfolgten Bezwingung Treue und Gehorsam gelobten. Nur wenige verweigerten dies und flüchteten sich auf türkisches Gebiet. Danilo liess ihre Häuser niederbrennen. Während Danilo selbst sich gegen die Piperi gewendet, unter­nahm der Stamm Ceklin aus der Rießka Nahia, der unmittelbar über Zabljak wohnt, eine Diversion, welche die Türken von dieser Seite hindern sollte, den Piperi zu Hilfe zu eilen. Dreissig Männer überfielen in der Nacht vom 23. auf den 24. November die kleine Feste Zabljak und nahmen sie. Tefto Panai'lia, welcher von den Türken vier Jahre unschuldig eingekerkert war, rächte sich nach seiner Freilassung an den türkischen Behörden dadurch, dass er den Montenegrinern den Weg zeigte, auf welchem sie in die Festung gelangen konnten.

Next

/
Oldalképek
Tartalom